D.:. S. Ferenczi und Dr. Otto Rank
ENTWICKLUNGSZIELE
DER PSYCHOANALYSE
Ex LIBRIS
is br
rein
Dir
r
RLA
DE
4
„
Fl
x
AR
r 2% r,
D >» KA "= | y R U RELTE 73
TR mar ne. | I ERERN | - 5
a a er
| N \ = u @ i de wu FEHLEN ‚ \ | „2 Ze pe
::&D nu = ar Zr Br. un, << > “E
= ! B) Zu «D) Be j zZ x Ä
mi >
o Sue S z ni
Sa 2:33 29;39 ee
naar | | rn = Br: Er, = = 2 > x
-_ w = 2 EP CD Zn >
a N, a
ao > a
2. | ER >
= | | 5 < E:
| | | Zu x)
; Fall !. | F
€ bie | zur | = e.
* { afer tion und Übe ung. Eine psycho-
| tis che Studie. (Sonderabdruck aus „Jahrb.
etp sychoanalyt. u. psychopathol. Forschungen“
UBd. 1909). Leipzig u. Wien 1910. [Als
is und Pathoneurosen. (Internationale
enalytiache Bibliothek, Nr. II). Leipzig,
En Zürich 1912
BBEALE: Über Pathoneurosen — Hysterische Materialisations-
e — Erklärungsversuch einiger hysterischer Stig-
— Technische Schwierigkeiten einer Hysterieanalyse. —
EB Psychoanalyse eines Falles von hysterischer Hypo-
Sa — Über zwei Typen der Kriegshysterie.
n
pP opuläre Vorträge, über Dane
_ (Internationale Psychoanalytische Bibliothek,
Nr. XII). Leipzig, Wien, Zürich 1922
Fahalıı Über Aktual- und Psychoneurosen im: Lichte der
rn 'schen Forschungen und- über Psychoanalyse. — Zur
analytischen Auffassung der Psychoneurosen. — Die Psycho-
se analyse der Träume. — Träume der Ahnungslosen. — Sug-
en Des Sn Psychoanalyse. — Die wissenschaftliche Bedeutung
'on Fuer! „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“. — Die
yse des Witzes und des Komischen. — Ein Vortrag
fü de Richter, ‚und Staatsanwälte, — Psychoanalyse und Krimi-
nölogie, — Philosophie und Psychoanalyse. — Zur Psycho-
c ee este — Nachtrag zur Psychogenese der
Mechanik. — ‚Symbolische Darstellung des. Lust- und
tätsprinzips i im Ödipus-Mythus. — Cornelia, die Mutter
Sr Gracchen — Anatole France als Analytiker. — Zähmung
ss wilden az — Glaube, ‚Unglaube und Überzeugung.
In »”
- ö
s Rx Ar
“ Na r "
f
- it
A #
” » . A
- aan ur Li
Bu
Vaik-
nat.
m d 7
Br IF
ee ER ER VER, En EEE ee Be N 77
en ee ea
en RN RE E
| " A ‚ER PSYCHOANALYTISCHER \ VERLAG
ELAEE & | . WIEN, VII. ANDREASGASSE RE
Bü cher Fön Dr. S. Ferenczi
"Versuch einer Genitaltheorie. (Internatiönale
Psychoanalytische Bibliothek, Nr. XV). Leipzig,
Wien, Zürich 1924
Contributions to Psychoanalysis. Authorised
translation by Dr. Ernest Jones. Boston 1916
Lelekelemz&s. 3. Auflage, Budapest 1919
Lelki Problemäk. 2. Auflage, Budapest 1919
Ideges tünetek. 2. Auflage, Budapest 1919.
A Pszichoanalizis haladäsa. Budapest 1919
A hiszteria. Budapest 1919
Mit Dr. St. Hollos
Zur Psychoanalyse der paralytischen
Geistesstörung. (Beihefte der Internationalen
Zeitschrift für Psychoanalyse Nr. V). Leipzig,
Wien Zürich 1922
Mit Dr. Otto Rank
Entwicklungsziele der Psychoanalyse. Zur
Wechselbeziehung von Theorie und Praxis.
(Neue Arbeiten zur ärztlichen Psychoanalyse.
‚Heft I). Leipzig, Wien, Zürich 1924
Festschrift
are
zum s0. Geburtstag von Dr. S. Ferenczi
(Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse 1X/3)
.178 Seiten, mit einer Porträtbeilage
Brosch., in Halbleinen und in Halbleder erhältlich
Inhalt:
= Fausgeber und Redaktion: Dr. S. Ferenczi.
Dr N ER Eisler en. Über hysteriche Er-
r- $ cheinu ıren am Uterus.
Bi x
| Dr. ] BE (Berlin): Schicksale des ‚Narzißmus bei
5 > Me R und Weib.
| | | Dr Ir e Hermann (Budapest): ae: und Be-
22
Br (Beinpen)V Von den „Pathoneurosen“ |
Melanie Klein (Berlin): Die Rolle der Schule in der
libidinösen Entwicklung des Kindes.
Aurel Kolnai (Wien): Die geistesgeschichtliche Be-
deutung der Psychoanalyse.
Dr. Sigmund Pfeifer (Budapest): Königin Mab.
-Dr. Sändor Radö (Budapest): Eine Traumanalyse.
Dr. Geza Röheim (Budapest): Heiliges Geld in
Melanesien.
Dr. Geza Szilägyi (Budapest); Der junge Spiritist.
- Verzeichnis der wissenschaftlichen Arbeiten von Dr. S.
Ferenczi.
m * N j
a ps { “ > ’ „ey
N 2 | N NET IT r „dr Bun 2 unse,
e R N Ra
g | E Ve ER
\ 1 NIEREN
, ver ei DE & 1%
I i
— \ Ar ee
WERTE
I? EN 4
RR cs h | 2 %
Neue Arbeiten zur ärztlichen Psychoanalyse
Herausgegeben von Prof. Dr. Sigm. Freud 2a
Heft I
Entwicklungsziele
der Psychoanalyse
Zur Wechselbeziehung von
Theorie und Praxis
von
Dr. S. Ferenczi
und
Dr. Otto Rank
| 1924
Internationaler Psychoanalytischer Verlag
Leipzig / Wien / Zürich
!
ie
,
. e
”
Er.
Bi >
, x
el
wu;
.
=e
er: \ i % dar 7a
2 , j 1 er
-Y1 Li = A .
REN » % en “ - .L 6 \ f n »
a N : LT —#i- word a , # als 3 - ne 3 er Ar u a 2
2» eh AT er WERT EAN NA re 4.
\
N IN
Yıd Pit)
|
x“ N
ıf
» Alle Rechte NER ! E
der Übersetzung vorbehalten
opyright 194°
Iytischer Verlag, Ges. m. b. H.“, Wien
Mn
f ı3
i
F >
Ar.
RUN
am
Ih
N
REN
u An
L A A ve NE
If h No. y Do
N DR Ü
) FT N '
N
Rx 1 RU) { LS
\y N
g
Far y
N
-
= Rn, 27 e --
\ if E
na \ \
” Gh x ? Ten 2} ll ö
NELNTERSU UNE BEN TERN NE ER
NETT STEEL NT ORDNEN
Vorwort
Einem Gedankenaustausch über aktuelle Probleme der Psycho-
analyse im Sommer 1922 entsprang der Plan, gewisse theoretische
und praktische Schwierigkeiten, die sich uns und — wie wir ver-
muten durften — auch anderen ergeben hatten, in einer Arbeit
| gemeinsam zu behandeln und zu lösen; der kritische Teil der
Arbeit ist ursprünglich von einem der Autoren (Ferenczi), der
positive Abschnitt („Die analytische Situation“) vom anderen (Rank)
verfaßt und niedergeschrieben worden; beide Teile lagen bereits
' vor dem Berliner Psychoanalytischen Kongreß (September 1922)
in der ersten Fassung fertig vor und sind später gemeinsam
überarbeitet worden.
An diesem Kongreß stellte nun Professor Freud das
„Verhältnis der analytischen Technik zur analytischen Theorie“
zum Thema einer: Preisarbeit, die untersuchen sollte, „inwiefern
die Technik die Theorie beeinflußt hat und inwieweit die beiden -
einander gegenwärtig fördern oder behindern“.
Da sich nun dieses Thema mit den von uns behandelten
Problemen eng berührte, lag es nahe, unsere Ausführungen im
Sinne des allgemeineren Preisthemas auszugestalten. Wir ver-
suchten also durch Abfassung eines Abschnittes über die Wechsel-
wirkungen von Theorie und Praxis sowie Veränderungen am
Texte selbst dieser Aufgabe zu entsprechen. Es gelang.uns aber
nicht, der umfassenderen Problemstellung gerecht zu werden,
weshalb wir auf die Teilnahme an dem Preisbewerb verzichten
mußten, der übrigens auch sonst ergebnislos geblieben war.
Inzwischen hatten sich uns wieder vielfach neue Gesichts-
punkte ergeben, deren Bearbeitung aufgeschoben werden mußte,
bis es möglich wurde, die Arbeit in ihrer vorliegenden Form
abzuschließen, deren Mängel und Inkongruenzen durch den Hin-
weis auf diese Entstehungsgeschichte entschuldigt sein mögen.
Klobenstein am Ritten, August 1923.
17
BR ROLE RTL ‚Mm IR ach RM MR: A ala de IN N s ®
3 N & “ EN f BR N ; | AR *
N Re) ! | i
+ - N
u, | |
|
n 4
h J
| |
x |
|
| »... Das bloße Anblicken einer Sache kann uns nicht fördern. Jedes ;
EEN, Ansehen geht über in ein Betrachten, jedes Betrachten in ein Sinnen, jedes |
Cl p Sinnen in ein Verknüpfen, und so kann man sagen, daß wir schon bei jedem |
aufmerksamen Blick in die Welt theoretisieren. |
Dieses aber mit Bewußtsein, mit Selbstkenntnis, mit Freiheit und, um. ’
uns eines gewagten Wortes zu bedienen,: mit Ironie zu tun und vorzunehmen: f
eine solche Gewandtheit ist nötig, wenn die Abstraktion, vor der wir uns |
fürchten, unschädlich und das Erfahrungsresultat, das wir hoffen, recht |
lebendig und nützlich werden soll.“ Go ethe. |
. i -
u nr; A} 2 4Ar 2 . 1
2 HE JO UAAENGE FEN
F r EN A En 3 Ne) Fa pr ar OR N Y a Lu y
“ ; A + Y 7 zie Z
Einleitung
Die psychoanalytische Methode entwickelte sich bekanntlich
im Laufe von etwa dreißig Jahren aus einem schlichten ärztlich-
therapeutischen Verfahren zur Behandlung gewisser neurotischer
Störungen zu einem umfangreichen wissenschaftlichen Lehrgebäude,
das sich allmählich aber stetig vergrößerte und zu einer neuen
Weltauffassung zu führen scheint.
Wollte man den Gang dieser Entwicklung im einzelnen ver-
folgen und dabei die wechselseitige Beeinflussung der thera-
peutischen Methodik und ärztlichen Technik einerseits, ihres
wissenschaftlichen Ausbaues andererseits im Detail studieren, so
hieße dies nichts weniger als eine Fortsetzung zur „Geschichte der
psychoanalytischen Bewegung“! schreiben. Bei Inangriffnahme
dieser heute noch unlösbaren Aufgabe wäre es aber unvermeidlich,
auch Probleme zu berühren, die weit über das Thema der
Psychoanalyse als solches hinausgehen und das Verhältnis zwischen
den von einer Wissenschaft verarbeiteten Tatsachen und dieser
selbst zum Gegenstand hätten. Ist diese Aufgabe schon an und
für sich äußerst schwierig, weil sie bis zu den Grundfragen unserer
ganzen wissenschaftlichen Methodik führt, so wird sie fast unlösbar
für die Psychoanalyse, die sich eben noch in Entwicklung befindet
i Siehe Freud: Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung.
(Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre, 4. Folge).
DEE EUR EFT LET een
a vu
INT FAR) 1097
6 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
und wo wir als unmittelbar an diesem Prozeß beteiligte, sozusagen
mitten drin stehende Vertreter beider Gruppen, d. h. der ärztlich-
therapeutischen sowohl als der wissenschaftlich-theoretischen, sehr
schwer zu einer objektiven Erfassung des Tatbestandes dieser
wechselseitigen Beziehungen gelangen können.
Tatsächlich ist nicht zu leugnen, daß in den letzten Jahren eine
zunehmende Desorientiertheit der Analytiker, insbesondere inbezug
aufdie praktisch-technischen Fragen Platz gegriffen hat. Im Gegen-
satz zum rapiden Anwachsen der psychoanalytischen Lehre ist das
technisch-therapeutische Moment, das ja der ursprüngliche Kern
der Sache und auch dereigentliche Ansporn zu jedem bedeutenden
Fortschritt der Theorie gewesen ist, zweifellos auch in der
Literatur auffällig vernachlässigt worden.' Das könnte den Anschein
erwecken, als wäre die Entwicklung der. Technik inzwischen
stille gestanden, insbesondere da Freud selbst in diesem Punkte
bekanntlich immer äußerst zurückhaltend war, so daß er z.B. seit
beinahe zehn Jahren keine technisch orientierte Arbeit
veröffentlicht hat. Seine wenigen technischen Artikel (die in der
Sammlung kleiner Schriften, IV. Folge, gesammelt sind) waren
auch für die Analytiker, die sich nicht selbst einer Analyse unter-
zogen, die einzigen Richtlinien ihres therapeutischen Tuns, obwohl
sie, auch nach Freuds eigener Ansicht, sicherlich unvollständig
und in gewissen Punkten auch durch die seitherige Entwicklung
überholt, einer Modifikation bedürftig scheinen. So ist es erklärlich,
daß die große Zahl derjenigen Analytiker, die auf das literarische
Studium angewiesen waren, allzu starr an diesen technischen
Regeln fixiert blieben und den Anschluß an die Fortschritte, die
* Eine Ausnahme bilden die Versuche Ferencezis, die Notwendigkeit
eines aktiven Eingreifens in der Technik zu begründen, welche Versuche
aber von der Mehrzahl der Analytiker entweder ignoriert oder mißverständlich
ausgelegt wurden, vielleicht weil der Autor damals in Betonung des neuen
Gesichtspunktes zu wenig Wert darauf gelegt hatte, den Leser darüber zu
orientieren, wie sich dieser Gesichtspunkt in die bisherige Theorie und
Technik einordnen läßt (s. bes. „Weiterer Ausbau der aktiven Technik in der
Psa.“ Zeitschr. VII., 1922).
Entwicklungswege der Psychoanalyse
die Wissenschaft der Psychoanalyse inzwischen 'gemacht hatte,
nicht finden konnten.
Unzufrieden mit diesem Stand der Dinge, fühlten wir uns
wiederholt dazu gedrängt, in der praktischen Arbeit innezuhalten,
um uns über diese Schwierigkeiten und Probleme Rechenschaft
zu geben. Dabei fanden wir denn auch, daß unser technisches
Können inzwischen nicht unbedeutende Fortschritte gemacht hatte,
deren volle bewußte Erfassung und Würdigung uns auch in den
Stand setzte, unser Wissen nicht unbeträchtlich zu erweitern. Wir
fanden es schließlich notwendig, angesichts eines offenbaren
allgemeinen Bedürfnisses nach Klärung der Sachlage, diese unsere
Erfahrungen auch anderen mitzuteilen und glauben dies am besten
in der Weise zu tun, daß wir zunächst darzustellen versuchen, wie
wir heute die Psychoanalyse betreiben und was wir jetzt darunter
verstehen. Erst dann wird es uns möglich sein, die Ursachen der
heute allenthalben hervortretenden Schwierigkeiten zu verstehen
und ihnen — wie wir hoffen — abzuhelfen.
Wir müssen dazu unmittelbar an die letzte technische
Arbeit Freuds über „Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten“
(1914) anknüpfen, in der den im Titel angeführten drei Momenten
eine ungleichwertige Bedeutung beigemessen wird, insofern als
das eigentliche Ziel der analytischen Arbeit das Erinnern hinge-
stellt wird, während das Wiedererlebenwollen an Stelle des Erinnerns
als Symptom des Widerstandes betrachtet, daher als solches zu
vermeiden empfohlen wird. Vom Standpunkt des Wiederholungs-
zwanges ist es jedoch nicht nur absolut unvermeidlich, daß der
Patient in der Kur ganze Stücke seiner Entwicklung wieder-
hole, sondern es hat sich in der Erfahrung gezeigt, daß es sich
dabei gerade um jene Stücke handelt, die als Erinnerung überhaupt
nicht zu haben sind, so daß dem Patienten kein anderer Weg
übrig bleibt als sie zu reproduzieren, aber auch dem Analytiker
kein anderer, um das eigentlich unbewußte Material
zu fassen. Es handelt sich nur darum, auch diese Form der Mit-
teilung, sozusagen die Gebärdensprache (Ferenczi), zu verstehen
und dem Patienten zu erklären. Sind doch auch, wie Freud uns
RN, a AR A A NE ED ER A A EN RAR A OR R KNa up Era lan BIER \
TI “7 N ı “ 1 Ye) kn 1 A N in; N 7 ri |
! | 7: er K N“ Y { N Al, v ‚ala Ir ? t ' % . . e
NEE „| u , i .
8 Dr. S. Ferenczi und Dr. Otto Rank
gelehrt hat, die neurotischen Symptome selbst nichts anderes als
entstellte Mitteilungen in einer zunächst unverstandenen Ausdrucks-
weise des Unbewußten. |
Die aus diesen Einsichten sich zunächst ergebende praktische
Notwendigkeit war die, Reproduktionstendenzen in der Analyse
nicht nur nicht zu hemmen,' sondern sogar zu fördern, voraus-
gesetzt, daß man sie zu beherrschen versteht, weil sonst das
wichtigste Material überhaupt nicht zur Äußerung und Erledigung
gebracht werden Kann; andererseits stellen sich dem Wiederholungs-
zwang oft gewisse — vielleicht auch biologisch begründete —
Widerstände, vor allem Angst- und Schuldgefühle entgegen, die
wir nicht anders als durch aktives Eingreifen, im Sinne einer
Förderung der Wiederholung, überwinden können. So kamen wir
schließlich dazu, anstatt dem Erinnern dem Wiederholen
die Hauptrolle in der analytischen Technik zuzuteilen.
Dies darf allerdings nicht einfach als ein Verpuffenlassen der
Affekte in „Erlebnissen“ verstanden werden, sondern besteht,
wie weiter unten des Näheren ausgeführt ist, in einer schritt-
weisen Gestattung und Auflösung, beziehungsweise Verwand-
lung des Reproduzierten in aktuelle Erinnerung.
Die Fortschritte, die wir bei dieser Bilanzierung unseres
Wissens feststellen konnten, lassen sich unter zwei Aspekten
) betrachten und formulieren, Von der technischen Seite handelt
es sich unverkennbar um einen Vorstoß der „Aktivität“ im
Sinne einer direkten Förderung der bisher vernachlässigten, ja als
störende Nebenerscheinung betrachteten Reproduktionstendenz
in der Kur. In theoretischer Hinsicht um die entsprechende
Würdigung der inzwischen von Freud festgestellten überragenden
Bedeutung des Wiederholungszwanges auch in den Neurosen.?
Diese letztere Einsicht macht erst so recht eigentlich die Resultate
! Wobei sie übrigens oft genug zum Schaden der Analyse sich in der
Realität durchsetzen; insbesondere betrifft dies das Liebesleben (Verhältnisse,
Eheschließung, Scheidung etc.), das ja in der Analyse der Versagung am meisten
unterliegt.
® Jenseits des Lustprinzips, 1921.
Entwicklungswege der Psychoanalyse su
der „Aktivität“ verständlich und begründet ihre Notwendigkeit
auch theoretisch. Wir glauben daher durchaus in keinen Wider- N
spruch mit Freud zu geraten, wenn wir nunmehr dem Wieder-
holungszwang auch in der Therapie die Rolle einräumen, die ihm
biologisch im Seelenleben zukommt.
a RL ha a La she ERS Ale Ra
Tnse
ERRTWFO EN
in ı N
I
Die analytische Situation
1. Der Libidoablaufprozeß und seine Phasen
Wenn wir nun daran gehen, den heutigen Stand der auf die
Therapie angewandten Analyse in großen Umrissen zu skizzieren, SO
möchten wir von vornherein den Anschein vermeiden, als handelte es
sich um eine ins Detail gehende Darstellung der Technik. Soweit eine
solche überhaupt literarisch möglich ist, muß sie ganz anders
orientierten Arbeiten vorbehalten bleiben.!
Unter Zugrundelegung der Freudschen Definition der psycho-
analytischen Technik, welche diese als eine Methode charakterisiert,
die die psychischen Tatsachen der Übertragung und des
Widerstandes zur Grundlage der Beeinflussung des Patienten
nimmt, kann man zu einer ganz allgemeinen Formulierung der
Psychoanalyse gelangen, welche sich dem behandelnden Analytiker
jeweilen als ein individuell bestimmter, zeitlich
begrenzter Vorgang innerhalb der Libidoentwicklung
des Patienten darstellt. Diesem automatisch ablaufenden
Libidoprozeß gegenüber, der — ähnlich wie der organische Heilungs-
prozeß — seine bestimmte Zeit und seine Krisen einhält, hat der
Analytiker eigentlich nichts anderes zu tun, als an den Stellen,
wo er einen störenden, das ist neurotischen Ablauf in Form eines
Widerstandes spürt, korrigierend einzugreifen. Dieser artifizielle
‘ Im übrigen wäre statt einer literarischen Darstellung der analytischen
Technik eigentlich ein detailliert ausgearbeitetes Lehr- und Lernprogramm des
poliklinischen Unterrichtes in der Psychoanalyse anzustreben, innerhalb dessen
allein die richtige Technik zu erlernen ist.
Entwicklungswege der Psychoanalyse 11
Libidoprozeß wird inauguriert und im Gange gehalten durch
die Übertragung, welche Ferenczi! seinerzeit als speziellen
und in der Analyse nur unter besonders günstigen Bedingungen
ablaufenden Fall der allgemeinen Übertragungssucht
der Menschen beschrieb, die sich beim Neurotiker besonders stark
äußert. Während aber im realen Leben diese Libidoexpansion viel-
fach gehemmt und gestört wird, gestattet die Analyse unter
gewissen Bedingungen diesen Ablauf, ja, hat ihn sogar stellenweise
zu fördern. Schon aus dieser Auffassung ergibt sich die im ganzen
passive und nur an wenigen Stellen aktiv eingreifende Rolle, die
dem Analytiker im allgemeinen zufällt. Er hat gegenüber dem
Leiden seines Patienten zunächst nichts anderes zu tun, als es
sich äußern zu lassen, nicht nur um zunächst zu sehen, worin es
besteht („analytische Diagnostik“), sondern auch wegen gewisser
Eigentümlichkeiten der Neurose selbst, deren Heilung eine Auf-
frischung alter verdrängter Krankheitsstoffe voraussetzt. Ebenso
kann der Internist bei der Behandlung einer organischen Krankheit
nur korrigierend eingreifen, indem er den Krankheitsprozeß einzu-
dämmen, zu lokalisieren sucht. Was der Analytiker vom guten
Internisten zu lernen vermag, ist ruhige sachliche Beobachtung des
Krankheitsverlaufes, Geduld und eine Passivität, die der „Natur“ des
Kranken auch etwas zutraut. Alle anderen, oft hochgeschätzten ärzt-
lichen Tugenden können die analytische Arbeit sogar stören. Den
wesentlichsten Unterschied zwischen Arzt und Analytiker kann man
nach Freud dahin formulieren, daß der Analytiker die auch sonst
überall latent vorhandene Übertragung nicht nur zielbewußt zur
Erleichterung des Libidoablaufs benützt, sondern sie auch dem
Patienten schrittweise aufzuzeigen hat, um ihn schließlich davon zu
befreien. Das letzte scheint ein dem ärztlichen Ideal besonders
widersprechender Punkt zu sein, da ja ein Teil aller ärztlichen
Kunst auf dem Vertrauen, das heißt der unbewußten Über-
tragung beruht, die sich der Arzt auch im Interesse des Patienten
erhalten muß. In diesem Sinne gibt es in der internen Medizin, die
' mitder unbewußten Übertragung als einem der wichtigsten Hilfsmittel
NER: Introjektion und Übertragung. Jahrb. I, 1909.
1} la
12 Dr. S, Ferenezi und Dr. Otto Rank
arbeiten muß, weit mehr „Suggestiverfolge“ als in der Psycho-
analyse, die sich diese Übertragung zwar auch zunutze macht, am
Ende aber die Auflösung dieses Verhältnisses als therapeutisches
Hilfsmittel zur Lösung der infantilen Libidofixierung benützt.
Daher ist auch der „ideale Fall“ des Analytikers, im Gegensatz
zur ärztlichen Praxis der einmalige und dann nicht wiedergesehene
Patient, am besten geheilt, wenn man gar nichts mehr von ihm
hört. Allerdings setzt dieser Erfolg eine Sublimierungs- und Ver-
zichtmöglichkeit seitens des Patienten voraus, wie sie .nicht allen
Menschen gegeben ist.
Aus der Auffassung der Analyse als eines künstlich einge-
leiteten Libidoablaufsprozesses zum Zwecke der Korrektur neuro-
tischer Abfuhrarten beantwortet sich die oft gestellte Frage nach
der Einstellung des Analytikers von selbst dahin, daß er sich der
Wiederholung dieses Libidoablaufs gegenüber ziemlich passiv,
sozusagen als Objekt oder besser als Phantom desselben zu ver-
halten habe. An den Stellen dagegen, wo eine Korrektur des
neurotischen Ablaufs nötig ist, hat er jedenfalls N oder nach
Art eines Katalysators einzugreifen.
Bevor wir die Frage beantworten, wie sich eigentlich die
Analyse der Libidowiderstände vollzieht und welche im all-
gemeinen die Punkte sind, an denen sich das Neurotische
zur Korrektur darbietet, wollen wir betonen, daß die im nach-
stehenden gegebene Beschreibung der analytischen Phasen sich
in praxi natürlich nicht so schematisch darstellt. Es handelt sich .
hauptsächlich um die Phasen des Widerstandes und der Über-
tragung, deren Bewältigung in der eigentlichen analytischen
Hauptarbeit, die man zusammenfassend Libido-Entziehungs-
kur nennen könnte, vor sich geht.
Im Widerstand, in dem das Ich sich. einerseits gegen die
Reproduktion des Unbewußten selbst, andererseits noch mehr
gegen die Analyse desselben zur Wehre setzt, kommt haupt-
sächlich das vorbewußte Erinnerungsmaterial des Patienten zum
Vorschein oder seine manifesten, vom Ich getragenen Charakter-
eigenschaften und Idealbildungen. Alle diese höchst ungleich-
Entwicklungswege der Psychoanalyse 13
wertigen Widerstände, welche auf die geschilderte Weise in den
Ablauf der Libidoübertragung eingreifen, werden im Laufe der
Analyse schrittweise beseitigt, und zwar kommen meist zuerst _
die vom Ich ausgehenden Widerstände des Narzißmus und
der Idealbildung in Betracht, deren Überwindung oft die
größten Schwierigkeiten macht, weil sozusagen die ganze
aktuelle Persönlichkeit des Patienten mit ihrem vollen Gewicht
sich dem von seinem Unbewußten angestrebten automatischen
Libidoablauf hemmend in den Weg stellt. Oft gelingt die.
Überwindung dieser Ichwiderstände nur durch Verletzungen
des Narzißmus oder zeitweilige Suspendierung der alten Ichideale,
wonach sich der Libidoablauf oder richtiger: die affektive Äußerung
der libidinösen Triebregungen freier als zuvor entfalten kann. Aus
den Phänomenen der Übertragung, die sozusagen einen Wachs-
abdruck der alten infantilen Libidosituation des Patienten darstellt,
gelingt es dann mittels der bekannten Übersetzung der unbe-
wußten Äußerungen in die Sprache des Bewußtseins und mittels
der Wiederholungstendenz alter Libidosituationen die wesentlichen
Stücke der gestörten infantilen Entwicklung des Individuums zu
reproduzieren.
Im Gegensatz zu dem vorbewußten Erinnerungsmaterial,
das der Patient in der Widerstandsphase aus seinen verschiedenen
Interessensphären und Besetzungszentren unter dem Einfluß der
analytischen Situation gewissermaßen zusammenrafft, handelt es
sich bei der Bewußtmachung der in der Übertragung wirksamen
Libidotendenzen immer um die Reproduktion von Situationen,
die meist gar nie bewußt gewesen waren, sondern
jenen Tendenzen und Impulsen entsprangen, die in der infantilen
Entwicklung teilweise erlebt, aber sofort verdrängt wurden. Durch
die Analyse der Übertragung gelingt es nun, diese in der Kind-
heit sozusagen kupierten Wunschregungen, die im Unbewußten
weiter nach Erfüllung streben, während das Ich sie längst ver-
worfen hat (neurotischer Konflikt), zum erstenmalintensiv
„erleben“ zu lassen und den Patienten mit Hilfe der so
gewonnenen eigenen Überzeugung in den Stand zu setzen,
..
rn
T AT “4 al SINE ATDD EEE Fe IX an‘ ae,
4 ern x ’ rl JE fr
a Aa SE A ET rar aka a rg ray RE ng
N? DEREN EA ER RAT RR FT EN
0310 1 ala RE Da TR 9
’ 4
14 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
unter Vermeidung der pathologischen Reaktionsweisen die
Anpassung an die Realität nachzuholen. Was man dabei
als Hauptwiderstand zu überwinden hat, ist die infantile
Angst, beziehungsweise ihre Verbindung mit dem libidinösen
Elternkonflikt als unbewußtes Schuldgefühl. Dieses trägt an
und für sich schon Konfliktstoffe in sich, da es aus dem Wider-
streit des Ich, beziehungsweise Ichideals mit den libidinösen
Tendenzen und den ihnen entsprechenden Wunschregungen hervor-
geht. Der Neurotiker leidet nun, wie in besonders klassischer Weise
die Zwangsneurose, aber auch jede andere Form der psychischen
Abnormität (Perversion, Psychose usw.) unzweifelhaft erkennen
läßt, an einem Übermaß dieses unbewußten Schuldgefühls.
Gelingt es analytisch, dieses aus der Verdrängung wirkende Schuld-
gefühl durch teilweise Auflösung und Abreagieren in Angst auf
das Normalmaß zu reduzieren, so können die unter seinem Druck
gehaltenen, seit der Kindheit gehemmten Libidotendenzen sich in
Form der Übertragung hervorwagen, bewußt gemacht und auf
Grund der analytischen Einsicht vom aktuellen Ich in neuer zweck-
mäßiger Weise verarbeitet werden. Es ist bekannt, daß diese
neuerliche Verarbeitung teils auf dem Wege der kritischen
Verwerfung (neues Ichideal), teils auf dem Wege der Subli-
mierung und teils auf dem Wege der Bejahung (Ausleben)
erfolgen kann.!
Bedeutet schon das Schaffen der analytischen Situation und
das zeitweilige, wenn auch phantasiemäßige Gewährenlassen der
Übertragungslibido eine ausgiebige Gestattung bisher vom Ich
verpönter Libidobefriedigungen, so handelt es sich in der Analyse
darum, durch Entzifferung der in der Übertragung gegebenen
Reproduktionen die Fixierungen der infantilen Libidoentwicklung des
Patienten nicht nur zu rekonstruieren, sondern durch gleichzeitige
1 Dieses Ausleben darf aber nicht in tendenziöser Weise miß-
verstanden werden. Es ist eben verständlich, wenn ein Teil der befreiten
Libido des Neurotikers auch der direkten Befriedigung zugänglich gemacht
wird, deren ja auch der Normale teilhaftig ist und auf die er nicht zu ver-
zichten braucht.
N NEE TE EI RE RE ET WEcHe Ill
‘ un 1 Ar F ib I u Aa BRUT Er a
Entwicklungswege der Psychoanalyse 15
Befreiung von der Übermacht des Schuldgefühls (Angst) den
pathogenen Libidotendenzen zum erstenmal eine Abfuhr zu
verschaffen. Da es sich dabei in jedem Falle auch um ein Wieder-
erleben, ein Reproduzieren, im Gegensatz zum Erinnern des vor-
bewußten Materials handelt, wird der Patient natürlich danach
streben, gewisse für ihn libidinös hochwertige Situationen der
- analytischen Reproduktion durch reale: Wiederholung zu
entziehen, was man jedenfalls zu erkennen und soweit als möglich.
— im äußersten Falle mit Zuhilfenahme eines aktiven Eingreifens
(Verbot) — zu verhindern hat. Anders mit der analytischen Wieder-
holung, die Gelegenheit dazu bietet, gewisse Situationen in der
Analyse nicht nur reproduzieren, sondern auch analytisch verstehen
und beherrschen zu lernen. Die bewußte Aufklärung des Patienten
erweist sich dabei oft nur als ein Hilfsmittel zur Reproduktion ver-
drängter Situationen, die als solche nicht „erinnert“ werden können,
weil sie, wie gesagt, niebewußt gewesen waren. NebendiesenErwar-
tungsvorstellungen, die man dem Patienten im Anschluß an
seine Assoziationen und Widerstände zu geben hat, ist ein wesent-
liches Hilfsmittel zur Erzielung der Reproduktion die Libido-
versagung, in der der Patient während der Analyse gehalten
werden soll, da auch die Neurose unter der Wirkung der Ent-
ziehung einer vorher gewährten Libidobefriedigung entstand. Durch
diese Libidoversagung verhindert man auch eine vorzeitige
Verpuffung der Affekte in der Übertragungssituation und drängt
unter fortschreitender Deutung und Aufklärung dieser Versuche
die Libido bis zu den Punkten, von denen die Fehlentwicklung
ihren Ausgang genommen hatte (Fixierungsstellen). |
Ist auf diese Weise die infantile Libido des Patienten aus
der Verdrängung (von Angst und Schuldgefühl) befreit, hat er also
mit unserer „aktiven“ Beihilfe dann den Mut gefunden, sich auch
zu seinen libidinösen Tendenzen zu bekennen, so handelt es sich
darum, diese ganze in der Übertragungssituation reproduzierte
infantile Libido von der analytischen Situation loszulösen
und dem Patienten zu neuer, normaler Verwendung. zugänglich zu
machen. Diese Aufgabe fällt einer besonderen Phase der Analyse
RN a EN BO dia na np Zaun da a 6 Bl Erbe an NE VB AL Ten ad RATTE AU Pas NE EN UA BOZZE FE EEE ZU
fi Fe Abd: Nr ATEN - i „* a 2 wo nt aNL’S vn NERATH- Kırıta, AR Hy
KEERWET, r4 a Le U a Er a ur Kr en LT, ! j\ .
»
16 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
zu, die wir als Libidoentwöhnung bezeichnet haben und die
analytisch die korrekte Auflösung der Übertragung bedeutet. Daß
der Patient reif dafür ist, kündigt sich durch verschiedene nicht
mißzuverstehende Anzeichen mehr oder weniger deutlicher Art
an. Der Hauptcharakter dieser Situation ist der von Freud
bereits bezeichnete Moment, wo die Analyse als eine Art künst-
liche Neurose (aktuelle Libidofixierung statt der infantilen) an die
Stelle der alten Neurose gerückt, also sozusagen selbst zum
Zwang geworden ist. Dann handelt es sich nur noch darum,
diese künstliche Übertragungsneurose mit ihrer neuerlichen
aktuellen Tendenz zur Fixierung — nach entsprechendem „Durch-
arbeiten“ — aufzulösen, was durch den Abbau der Übertragung
geschieht, der ebenso allmählich erfolgen muß, wie der auto-
matische Libidoablauf der ersten Phase unter den Hemmungen der
Ichwiderstände. In dieser schrittweisen Entwicklung und Auflösung
der analytischen Situation kommt das Wesen der Analyse als
Libidoverschiebung oder Verlagerung, die einen bestimmten zeit-
lichen Ablauf erfordert, deutlich zum Ausdruck. |
An diesem Punkt der Analyse, wo die Libidoentwicklung des
Patienten sozusagen ganz abgehaspelt ist und von der Spule der
infantilen Fixierung auf die der analytischen Fixierung übertragen
ist — bei welchem Ablauf zumindest alle pathogenen Fixierungs-
stellen seiner Libido filmartig reproduziert worden sind — tritt das
Eingreifen des Analytikers in den Zeitablauf selbst ein,
indem er dem letzten Stück der Analyse, dem Abhaspeln von der ana-
Iytischen Spule auf die reale, eine bestimmte Frist zur Erledigung
setzt, während die dem automatischen Ablauf folgende Libido des
Patienten die Tendenz zeigt, sich nunmehr in der Analyse als
Ersatz der Neurose zu fixieren. |
In dieser letzten Phase der Analyse, in der sich bereits zeigen
muß, daß der Patient die Libidoentziehung verträgt, treten natur-
gemäß neue Widerstände von seiten des Ich auf, die auf eine
Entwertung der ganzen analytischen Arbeit und das Nichtakzeptieren
ihrer Ergebnisse hinauslaufen, da das Unbewußte des Patienten
darauf eingestellt war, die Analyse nur um den Preis der realen
\ Ta A a a ES U EN A a a hs =
ISO NS FR ENG KR VAT ARTE OS INN an rn il) ” ya
ur ' Ne N Aal a >
a i } we | PFILFAT
MIRHAIK Am TR 1%
] irn
Entwicklungswege der Psychoanalyse 17
Libidobefriedigung in der Übertragung anzunehmen. Jetzt muß
darauf verzichtet, die Resultate der Analyse und
die daraus folgende Veränderung der Einstellung dennoch
angenommen werden. Dies ist eine Geduldsprobe für den
Patienten, der ja im Sinne der neurotischen Versagung zu zeigen
bestrebt ist, daß der Libidoentzug auch die Kur gefährdet, während
er ja gerade der einzige Weg ist, auf dem die analytische Aufgabe
endgiltig zu erledigen ist. Der nach Ausbildung der Übertragungs-
neurose festgesetzte Endtermin der Analyse muß genau eingehalten
werden und man lasse sich durch die „Fortschritte“, die der
Patient unter dem Druck dieser Unnachgiebigkeit scheinbar
machen kann, nicht etwa verleiten, ihn früher zu entlassen,
denn gerade in dieser allerletzten Phase kann erst alles für den
therapeutischen Erfolg Entscheidende geleistet werden, was in den
früheren Phasen nur vorbereitet worden war.
Wir können jetzt rückblickend den eigentlichen Sinn der
analytischen Behandlung zusammenfassen: Das Wesentliche der
Analyse besteht, wie gesagt, in einem zeitlich begrenzten Libido-
ablaufsvorgang, in dessen Verlauf alle Ansprüche der infantilen
Libido in der Übertragung teilweise Erfüllung finden; in Wirk-
lichkeit aber erfahren sie bei gleichzeitigem Gewährenlassen einer
phantasiemäßigen Befriedigung ihre schrittweise Auflösung bis zur
endgültigen bewußten Anpassung. Diese Auffassung der Analyse
legt es mit Rücksicht auf die von Freud klar herausgearbeiteten
Inhalte und Zusammenhänge der Libidoreaktionen nahe, vom Vor-
gang bei der analytischen Behandlung und den analytischen
Situationen, in denen sie kulminiert, folgende Grundvorstellung
zu geben.
Indem wir den Patienten libidinös in das alte infantile
Elternverhältnis versetzen, ermöglichen wir ihm, seine aktuelle
Persönlichkeit sozusagen in ihre infantilen Vorstadien schritt-
weise zurückzuverwandeln. Dementsprechend gilt die erste Phase der
Analyse dieser Neueinstellung oder, besser gesagt, Wiedereinstellung
des Patienten, indem er sozusagen von allen hochentwickelten Aus-
läufern seines Ichsystems (seiner Persönlichkeit, bezw. seiner
2
Al \ „ # Im #
18 Dr. S. Ferenczi und Dr. Otto Rank
Neurose) die Besetzungen wieder einholt, um sie in das Geleise
der alten Ödipuslibido und ihrer Vorstadien zurückzuleiten. Dies
ist die in allen seinen Assoziationen wie aus großer Ferne durch-
schimmernde unbewußte Zielvorstellung, die ihn leitet, und zwar
sowohl in den Äußerungen seiner Libido wie auch in den
hemmenden Äußerungen seiner Ichwiderstände. Der ganze Prozeß
steht unter dem ungeheuren Druck der endlich irgendeine Befrie-
digungsmöglichkeit erblickenden Infantil-Libido und läuft unter
dem Protest der ganzen aktuellen Persönlichkeit ab, welche mit
ihrem Ichideal und den pseudo-narzißtischen Tendenzen sich dieser
Reduzierung aufs Infantile widersetzt. Je intensiver der Druck der in
die Übertragung mündenden libidinösen Tendenzen ist, um so größer
sind auch die hemmenden Widerstände des Ich. Hier wird es deut-
lich, was es heißen soll, daß man eigentlich nur die Widerstände zu
beseitigen habe, die der Entfaltung der Libidoübertragung im
Wege stehen. Man muß sagen glücklicherweise, denn sonst würde
die analytische Bemühung von der Wucht und Unmittelbarkeit
der Libidoströmungen einfach weggeschwemmt werden. Aber der
echte Widerstand, weit entfernt davon, die ana-
lytische Arbeit zu stören, bedingtsie sogar geradezu, indem
er wie die Uhrfeder den Ablauf reguliert und dosiert. Anderer-
seits darf man aber auch nicht glauben, daß er ausschließlich
eine solche, den Libidoablauf hemmende und damit die Analyse
überhaupt ermöglichende Funktion hat; daneben ist auch
seine inhaltliche Bedeutung wichtig, indem er fast immer ein
Zeichen dafür ist, daß der Patient auch hierin statt zu erinnern
reproduziert und im Material auch verrät, was er durch
Reproduktion der analytischen Verarbeitung entziehen will. Von
diesem Gesichtspunkt ist die Auflösung der Libidowider-
stände aus der analytischen Situation eine der Haupt-
leistungen der psychoanalytischen Technik.
Ist die erste Anpassung an die analytische Situation gelungen,
der Analytiker also an Stelle des libidinösen Ichideals gesetzt
worden (Vater, bezw. Mutter), dann ist die ursprünglich von der
Odipussituation ausgegangene, durch immer weitere Verdrängung
” ar kN ö Hr j N 1 | Nah ni NEN h „ I) l {nV
Entwicklungswege der Psychoanalyse 19
von diesem Boden abgehobene Neurose in artifizieller Weise
wieder auf diesen ihren Mutterboden zurückgeführt und damit die
Übertragung im vollen unbewußten Sinne etabliert, die jetzt dazu
benützt wird, um die alte „Ödipusneurose“, die unter dem Ein-
fluß der Ichentwicklung in eine der uns bekannten klinischen
Formen verwandelt wurde, in eine neue analytische
Übertragungsneurose überzuführen. Dies geschieht
unter konsequenter Übersetzung des unbewußten
Materials in jeder seiner Äußerung und dessen
Deutung sowohl im Sinne der analytischen Situation,
als auch damit parallel des Infantilen. Auf diesem Wege
des Durchlebens und erstmaligen Zuendeerlebens der infantilen
Libidostrebungen mit immerwährender Erledigung im Sinne der
Bewußtmachung unter Versagung, lernt der Patient endlich auch
endgültig auf die unangepaßte Realisierung und pathologische Befrie-
digung der infantilen Libido zu verzichten, die nunmehr auch von
seinem neuen Ichideal kritisch verworfen wird. Dies ist jene Nach-
erziehung, die der Neurotiker seiner Libido in der Analyse zuteil
werden lassen muß. Sie erfolgt, indem wir den Patienten allmählich
in die Zeit der Konstituierung des „Ödipuskomplexes“ (nicht der
fertigen Situation selbst) auf dem Wege der Übertragung regre-
dieren lassen und ihm durch Aufklärung derselben, unter Beseiti-
gung ‘ der Widerstände, die früher durch die Verdrängungen
abgesperrten Verbindungs- und Abfuhrwege gangbar und verfügbar
machen.
In der korrekten und konsequenten Durchführung dieser
Aufgabe liegen die wichtigsten technischen Probleme der Psycho-
| analyse beschlossen. Denn die besondere Art, in der die normale
Ödipuslibido in jedem einzelnen Falle vom Ich verarbeitet (zu-
meist verdrängt) wurde, äußert sich in den Phänomenen der
‘ Übertragung und des Widerstandes, die man also nur zu ver-
stehen, Kunstgerecht zu redressieren und aufzulösen hat. Dabei
ergeben sich natürlich durch gehäufte analytische Erfahrung, die
dann auch in der Theorie ihren Niederschlag gefunden hat,
gewisse typische Ausdrucksformen, wie es ja auch typische
3*
20 | Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
Formen für die Bewältigungsversuche der Libido durch das Ich:
die Neurosen-, bzw. Charaktertypen gibt.
Eine wie es scheint in der Analyse ganz regelmäßig wiederholte
Reaktion aufdie analytische Reproduktion der Ödipussituationist das
Manifestwerden des Kastrationskomplexes. Dieser bedeutet beim
Mann die Abwendung der Libido von der Mutter als Objekt und
die Identifizierung mit ihr, aus der sich je nach dem Verdrängungs-
schicksal des als Motor wirkenden unbewußten Schuldgefühls die
verschiedensten pathogenen Formen! entwickeln können; für die
Frau die Abwendung vom Vater und Identifizierung mit ihm
im Sinne des bestehen bleibenden infantilen Peniswunsches. Wie
in der infantilen Entwicklung diese Mechanismen einem Aus-
weichen der betreffenden Ödipusrolle dienen sollten, so tritt in
der Analyse, welche diese Situation wieder aktiviert, der Kastra-
tionskomplex, sozusagen als „negativer Ödipuskomplex“,
wieder in Erscheinung. Was wir also in der Analyse als „Kastra-
tionskomplex“ antreffen, entspricht einer neurotischen Ver-
wendung (Abwehrsymptom) der normalen infantilen Bisexualität,
das heißt einer Entwicklungsstufe, auf der es noch keine
Geschlechtsunterschiede gab. Natürlich weist dieses Symptom auf
tieferliegende, beiden Geschlechtern gemeinsame Infantilstufen
zurück, die hier nicht näher erläutert werden können.?
Indem wir von der bereits stark entstellten Neurose, wie sie
sich in den klinischen Symptomen manifestiert, ausgehend, den
Patienten in die Übertragungsneurose versetzen, ermöglichen wir
ihm die niemals eigentlich aktivierte „Urneurose“ des Ödipus-
konfliktes mit allen seinen Vorstadien in der Analyse durchzumachen,
womit seine Krankheit, welche diese unzulänglich verdrängten
Urtriebäußerungen ersetzen sollte, hinfällig und überflüssig wird.
Die Zweizeitigkeit des analytischen Eingreifens: Aktivierung der
Urneurose — und deren Auflösung, scheint der Zweizeitigkeit
der Neurosenbildung: infantile Neurose — klinische Neurose, zu
entsprechen, die selbst wieder nur im Sinne der Freudschen
1 Siehe Rank, Perversion und Neurose,
® Siehe jetzt Rank: Das Trauma der Geburt. 1924.
En PR AA ET ne N AL N un ah Y N Lay,
} N ae N A un ar MER NARTORN TRUST SEI TINE IN \
\ | BUNMUN SEN 8 RUN) ATS UHTURTA HE /ALG HEN
Entwicklungswege der Psychoanalyse >21
Aufklärung aus der biologischen Tatsache des für den Menschen
charakteristischen doppelten Ansatzes der Sexualentwicklung folgt.!
Die Neurose entspräche dem Hineinragen der ersten, ihrer
Natur nach unvollkommenen, aber auch unvollkommen überwun-
denen Entwicklungs- und Verdrängungsphase in die Phase dersexu-
ellen Reifezeit. Im Unbewußten bliebe also der Neurotiker auf dieser
primitiven biologischen Konfliktsstufe stehen, was sowohl den
infantilen Charakter der Neurosen, als auch die Notwendigkeit
der analytischen Nacherziehung verständlich macht. Daher steckt
nicht nur hinter jeder Neurose eine Kinderneurose, sondern die
Analyse hat direkt die Aufgabe, hinter der klinischen Neurose
die infantile Neurose zu entfachen, das heißtsie in deren konfliktuöse
Vorstufe zurückzuverwandeln, selbst wenn . diese niemals
manifest gewesen sein sollte. Diese Urneurose kann aber nur in der
Analyse durch Reproduktion, die hauptsächlich in der Übertragung
erlebt wird, wiederholt und damit psychisch erledigt werden.
Die Psychoanalyse gestattet also dem Patienten das Wieder-
erleben, teilweise sogar das erstmalige Neuerleben der infantilen
libidinösen Ursituation mit einer teilweisen Befriedigung unter der
Bedingung des bewußten Verzichtes auf ihre unangepaßte Reali-
sierung. Diese Aufgabe kann unter dem Drucke der Analyse vom
erwachsenen Ich des Patienten bewältigt werden, so daß er imstande
ist, bewußt die unerwiderte Ödipusliebe zu ertragen. Ja, erst dieses
Ertragenkönnen eines partiellen Verzichtes mit Vermeidung der
En-bloc-Verdrängung, befähigt den Menschen überhaupt, die in der
Realität sich darbietenden Ersatzbefriedigungsmöglichkeiten zu
ergreifen. In der Analyse drängen die im Unbewußten fortlebenden,
in ihrer Entwicklung gehemmten infantilen Liebestriebe zur Wieder-
holung (in der Übertragung), beziehungsweise werden sie eben
mit Hilfe unserer Technik in Erscheinung gebracht. Es wiederholt
sich also in der kunstgerechten Analyse nicht die ganze Ent-
\
1 Es ergibt sich hier der seltene‘ Fall, daß die aus rein praktischen
(technischen) Bedürfnissen hervorgegangene Auffassung sich als nachträgliche
Bestätigung einer früheren theoretischen Annahme und nicht nur als mecha-
nische Anwendung derselben erweist.
F A u
ABLE N ER, PH 1
al KR) ei Tee !
u .
EEE rn
Zu
a u
.
mn
ee
a -
nn
a
a) rt 7 a aaa rl Be A a an a A a a ha) Ks dh ra seat U Lin end Ba Za Ba 11 1 ic ll FRE RD ze
a da na fu an YET EN A ARE { kr Aa BER AIR u 1 u 07 PcTae Zu DE a TahUE BTL aha RB SEE ALTER ni BD 0520 arme m 2
J tet . I A l I N i |
22 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
wicklung des Individuums, sondern nur jene Entwicklungsphasen
der Libido, an die das Ich trotz ihrer Unzweckmäßigkeit fixiert
geblieben ist.
Die theoretische Frage, ob die Analyse eine Icherziehung
oder eine Erziehung der Liebestriebe sei, beantwortet
sich in praxi etwa so, daß die erste Phase jeder Analyse
insoferne eine Icherziehung darstellt, als man das Ich der
Patienten gewöhnt, ichwidrige Libidoäußerungsformen anzuer-
kennen und es verhindert, daß sich der alte Verdrängungsprozeß
wiederhole. In einer späteren Phase, nachdem die Übertragung
entwickelt ist, wird die in der Kindheit aufgehaltene Libido-
entwicklung voll entfaltet; in der Entwöhnungs- oder Entziehungs-
phase sorgen wiederum Ichenergien, die vom neuen Ichideal
ausgehenden Kräfte dafür, daß sich die neuerwachten Regungen
der Realität anpassen. Natürlich brauchen diese Ichkräfte nicht
durch Moralpredigten oder anagogische Zielgebungen dem Patienten
einverleibt zu werden; sie sind in jedem nicht geisteskranken
Patienten von vornherein ebenso da, wie die Übertragungssucht
und sie sind es schließlich auch, die den Heilungsprozeß (die
weitere Übertragung der Libido vom Arzte auf „realere Objekte“
des Lebens) zustande bringen. Ohne die Hilfe dieser Ichkräfte und
ohne ein Stück natürlichen Egoismus wäre die letzte Aufgabe der
Psychoanalyse, die Entwöhnung von der Kur, unlösbar. Denn in
dieser Phase handelt es sich darum, daß man den Patienten mit
Hilfe der Liebe zum Arzt dazu bringt, auf diese Liebe zu ver-
zichten. Das wäre eine contradictio in adjecto, ein Ding der
Unmöglichkeit, würde die Vernunft des Patienten nicht auch mit-
sprechen. Nachdem sich der Patient die Überzeugung geholt
hat, daß die Liebe des Arztes für ihn in der Realität wirklich
unerreichbar ist (und daß dies der Fall ist, sieht er nur in der
allerletzten Phase der Kur ein), erkennt er gleichzeitig die Uner-
füllbarkeit der infantilen Libidoansprüche bewußt wie gefühlsmäßig
an und begnügt sich mit dem, was ihm das Leben sonst bietet. Es
ist merkwürdig, mit welcher Hast sich die von der Kur loslösende
Libido auf neue Lebenspläne wirft. Wir sehen den Prozeß der
i’E N a ET LT a TE ep EI N can MET; m
LE TE, RIM SAL ISSUTARRLH N REN Bun, PRRNTAINSTE ANRRNUITHP, BRmUN
kl BER ARTA RAT a BAT ET TAN TR ON NIE UL
rt nr ‘ v i “ 1} 1 % , e
Entwicklungswege der Psychoanalyse 23
Sublimierung, der im gewöhnlichen Leben Jahre der Erziehung
benötigt, gegen das Ende der Kur in gedrängter Kürze vor
unseren Augen zustande kommen, ohne daß dazu eine besondere
Anleitung nötig wäre. Die disponibel gewordene Libido bemächtigt
sich spontan aller Fähigkeiten, aller Abfuhrmöglichkeiten, an denen
sie sich ichgerecht ausleben kann.
2. Die Lösung der Libidofixierung im Erlebnismoment
Durch Schaffung der analytischen Situation setzt
man den Patienten eigentlich seinem infantilen Trauma
wieder aus, indem man seiner unbefriedigten Ödipuslibido, die
sich in neurotischer Weise auf inadäquate Objekte verschoben
hatte, das eigentliche alte Objekt darbietet. Der libidinöse Erregungs-
ablauf, den man damit eingeleitet hat, stellt für das Unbewußte
des Patienten eine ihn an die Situation bindende Befriedigung dar,
die er nirgends sonst im Leben zu erlangen imstande ist. Wir
geben den Patienten die seit der frühesten Kindheit gesuchte
Elternimago, an der sie ihre Libido affektiv ausleben können.
Indem der Patient uns mit dem Vater oder der Mutter identifiziert,
zeigt er ja deutlich an, daß es diese ideale Elternimago ist, die er
sucht, die wir ihm allerdings auf die Dauer nicht in der von ihm
gewünschten Form bieten können. Täten wir es dennoch, so würden
wir den Patienten, wie es häufig genug geschieht, dadurch scheinbar
„heilen“, daß wir ihn glücklich verliebt machen, während die
Analyse darauf hinzielen muß, ihn zum teilweisen Verzicht auf
diese infantile Libido durch die Einsicht in ihre Unrealisierbarkeit zu
bringen. Wir haben ihm schließlich sozusagen an einem peinlichen
Erlebnis zu zeigen, daß und in welcher Weise die Erfüllung
seiner Libidostrebungen seinem erwachsenen Ichideal widerspricht.
In und mittels der Übertragung erfolgt die Aufrichtung eines
neuen provisorischen Ideals, gegen das sich das mitgebrachte Ich-
ideal des Patienten in Form von Widerständen zur Wehr setzt,
während sein altes, verdrängtes infantiles Wesen darnach strebt.
Indem man sich nun, wie Freud es ausdrückte, zunächst zum
Anwalt des Verdrängten macht, kann man die vom Ich ausgehen-
“ ? #' a a En Er AN de ME DE AT CL I EIKE Sa ae rarY A FE a 1 A 3 DR a Walsh
a a Ma a EL RN 3 RD Ra ne JENE U Ras LIE SUR ED TE LESE ALL PERS LIE N ERST BEA BE BLATT
ae rn Pi 4 a TI: . R i Fats Aa rd, N 2; SALE NUN) UT
' y J ’ \ r
24 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
den Widerstände beseitigen. Eine der "häufigsten Manifestationen
des Widerstandes im Beginn der Analyse ist die Vateridentifizierung
mit dem trotzigen Wunsch, ihn in allem zu übertreffen, der sich
gegen die Annahme der in der Analyse gegebenen infantilen
Situation richtet. Schon diese erste Phase der Analyse der Ich-
widerstände erfordert mitunter ein aktives Eingreifen des
Analytikers, das jedoch über das durch die Übertragung gegebene
Stück analytischer Elternautorität nicht hinauszugehen braucht. Sind
die Ichwiderstände beseitigt und hat sich die Übertragung in
breiter Front etabliert, so wird sie so lange zur Reproduktion in
der Analyse ausgenützt, bis sich aus ihr selbst der zweite
große Widerstand jeder Analyse nach dem Ichwiderstand, derLibid.o-
widerstand, ergibt, das heißt das natürliche Sträuben gegen die
notwendig aufgezwungene Versagung, d. h. der Anerkennung der
unerfüllbaren Wünsche in der Analyse. Erst an diesem Punkt wird
die Übertragung neben einem fördernden Hilfsmittel der Analyse zu
deren Objekt und muß als solches dem Patienten aufgeklärt werden.
Im allgemeinen darf manden unmittelbaren therapeutischen
Wert dieser Aufklärungen, die nicht direkt der Beseitigung
eines Widerstandes dienen, nicht allzu hoch einschätzen. Wir
brauchen nicht einmal an den bekannten Typus der Zwangskranken
zu erinnern, die oft nach längerer Analyse das ganze analytische
Wissen ihres Analytikers im kleinen Finger haben und ihn in
der Deutung ihrer eigenen Symptome sogar übertreffen können,
ohne daß ihnen damit irgendwie in ihrem Leiden geholfen wäre. Hat
ein solcher noch so viel von seinem Analytiker gelernt und auch
verstanden, so hat er damit doch nichts erlebt, was ihm dieses
„Wissen“ auch innerlich nahe gebracht hätte. Man braucht aber
gar nicht so weit zu gehen, um die therapeutische Unfruchtbarkeit
des „Nurwissens“ vor Augen zu führen. Es genügt, wenn man an
die Personen erinnert, die irgendwie — meist aus neurotischen
Motiven — zur Ausübung der Psychoanalyse gekommen sind, um
dann nach einigen Mißerfolgen zu erkennen, daß sie selbst der
Analyse bedürfen. Solche Personen kommen meist mit einem mehr
oder weniger fertigen analytischen Wissen — auch über ihre
a
v4 UT er rn Pa FA Te” 2 ve SATT, De “ Yu TEN
NN RZ RR RL AR ER IRINEN NERVEN LSUNBSEIGWN RE A 5 In IURRSENRE
EV DENN [Er gu ir ar ler ans el » = Adıh " N. A LT N
ö 17 i Ka aa ! HENPG \ U EN ITAERT x Dal WEITEN
- \ a LANDE ER ISATEN® nl
IF ur * IN
Entwicklungswege der Psychoanalyse 25
eigenen Symptome — in die Kur, das sie, wie sie an sich. selbst
beweisen, nicht davor zu schützen vermochte, der Neurose zu
verfallen, und auch nicht imstande war, sie davon zu befreien.
Im Gegenteil scheint für solche Analytiker die Ausübung der
Analyse selbst nur ein Symptom ihrer eigenen Neurose bedeutet
zu haben, insofern die Analyse auch für sie selbst die alte Ödipus-
situation reaktiviert, die sie daher auch bei ihren Patienten niemals
völlig aufzulösen imstande sind." Die Analyse solcher Personen
wäre als Schulbeispiel für angehende Analytiker sehr lehrreich
und würde sie wahrscheinlich vor gewissen technischen Mißgriffen
bewahren. Denn sie sähen sich dabei einem Patienten gegenüber,
dessen theoretisches Wissen auf dem Gebiete der Analyse mit dem
ihrigen etwa gleichwertig ist und wären so vor die Aufgabe
gestellt, zu entdecken, daß die therapeutische Beeinflussung eines
Patienten etwas von der bloßen Vermittlung theoretischen Wissens
völlig Wesensverschiedenes ist. Beim Vergleich solcher Analysen
mit denen naiver Patienten kann man am besten erkennen, daß
alle Aufklärung und Übersetzung allein nur ein
erstes Hilfsmittel ist, um dem Patienten den Sinn der
zu erwartenden Reproduktionen im analytischen Erlebnis ver-
ständlich zu machen. Es ist durchaus nicht zu befürchten, daß der
Patient durch eine vorzeitige Aufklärung „erschreckt“ werde und
in Widerstand verfalle. Allerdings gibt es Situationen in der
Analyse, wo das Nichtdeuten die richtige Reaktion ist, um alles
Material, das zu einer bestimmten Situation gehört, vom Patienten
zu bekommen, während man in einem solchen Fall durch eine
voreilige Deutung des letzten unbewußten Motivs der oft sehr
wichtigen Verbindungsglieder verlustig gehen kann.” Versteht und
1 Haben wir es ja erlebt, wie manche Anhänger bei bewußter Kenntnis-
nahme der Analyse einfach mit ihrer latenten Neurose reagierten, aus der sie
dann ihre „Widerstände“ in Form wissenschaftlicher Einwände geschöpft haben.
2 Es wäre etwa so wie wenn man das Verlieren eines Gegenstandes
einfach symbolisch als „Kastration“ deuten würde, ohne sich um den feineren
psychologischen Mechanismus der Fehlleistung zu kümmern (Opfer, Schuld-
bewußtsein).
BREUER ER LHUN N GEN EINE
NIT MER N ho INNEN 7,
P’W ur 17 I \
26 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
beherrscht der Analytiker die analytische Situation nicht, so bleibt
ihm allerdings nichts anderes übrig, als den Patienten „assoziieren“
zu lassen und ihm die Einzelassoziationen als solche zu „deuten“,
was, auf die Dauer fortgesetzt, die Analyse auf das Niveau eines
Assoziationsexperiments herabdrückt, als gelte es, dem Patienten
zu beweisen, daß, beziehungsweise welche Komplexe er habe.
In der analytischen Technik gilt als oberster Grundsatz, daß
der Analytiker nur dann, wenn es wirklich notwendig ist, das
heißt in der Regel, wenn es Widerstände erfordern, aus seiner
passiven, beobachtenden Reserve heraustritt, um in dem früher
angedeuteten Sinn regulierend in den Libidoablauf des Patienten
einzugreifen. Womöglich soll dies nur in den wenigen großen
und wirklich entscheidenden Situationen der Analyse geschehen,
während man sich davor hüten soll, in der Detaildeutung zu
gewissenhaft sein zu wollen und alles, was der Patient sagt oder
tut, auch sofort verstehen und dem Patienten übersetzen zu wollen.
Solcher Übereifer bedeutet die Außerachtlassung der auch theo-
retisch nicht bedeutungslosen Tatsache, daß die Assoziationen oft
nur in tendenziöser Weise vom Ich vorgeschoben sind, dann aber
in dieser Bedeutung dem Patienten bewußt gemacht werden
müssen, anstatt daß man sich in Einzelheiten der Assoziations-
deutung verliere. Dasselbe ist im erhöhten Ausmaß bei der Traum-
deutung zu beachten, die in der praktischen Analyse natürlich
nicht so durchgeführt zu werden braucht, als gelte es, die Richtigkeit
der Traumtheorie zu bestätigen,' sondern so, daß man entsprechend
der analytischen Situation aus dem Traum das Wichtige schöpft.
Andernfalls verfällt man in den verhängnisvollen Fehler, über
dem psychologischen Interesse die aktuelle Aufgabe zu vernach-
lässigen. Diese besteht darin, daß man jede Äußerung des Ana-
! Inzwischen erschien die hiehergehörige Abhandlung „Zur Theorie und
Praxis der Traumdeutung“ von Freud (Zeitschr. IX/1, 1923).
Gelegentlich mit Stolz publizierte „Traumdeutungen“, an denen viele
Stunden lang „gearbeitet“ worden war, stellen dem Analytiker als solchem
kein gutes Zeugnis aus, mögen solche Studien auch noch so interessantes
Material für die Traumpsychologie oder die Deutungstechnik liefern.
Lz vu Kane AMT. Au rd) A Te N 7 YA L 1 1 li IM,
N LE EI ED in da an ah
di, 1 DAR PN \ IFA RI, 0
Entwicklungswege der Psychoanalyse 27
lysierten vor allem als Reaktion auf die gegenwärtige ana-
lytische Situation (Abwehr oder Anerkennung von Aussagen
des Analytikers, Gefühlsreaktion auf dieselben usw.) verstehen
und deuten muß, wobei es wichtig ist, aktuell Provoziertes von
infantil Wiederholtem in den Reaktionen zu unterscheiden,
gelegentlich das beiden Gemeinsame zu erkennen und anerkennen
zu lassen. |
Gilt dies für jedes einzelne Symptom, für jeden Traum, ja
sogar für das Verständnis der einzelnen Assoziationen, um wieviel
mehr für die gesamte analytische Situation. So wird es besonders
wichtig, die unbewußten Bedingungen zu analysieren, die den
Patienten in die Analyse geführt haben, ebenso alle Bedingungen
und Forderungen, die er mit dem Abschluß der Analyse verknüpft,
darunter insbesondere Bedingungen zeitlicher Natur (zum Beispiel
wenn der Patient von vornherein für die Analyse einen be-
stimmten Termin setzen will). Eine solche Einstellung kann die
ganze, im Detail noch so gut geführte Analyse, wenn sie nicht
von vornherein analytisch beseitigt wird, in ihrem Enderfolg
vereiteln. |
Die vorstehenden Ausführungen zeigen deutlich, inwiefern
das ursprüngliche Abreagieren der Affekte eigentlich
immer noch — trotz aller Erweiterung unserer Erkenntnisse
— das wesentliche therapeutische Agens geblieben
ist, nur mit dem bedeutsamen Fortschritt, daß wir seinen
Ablauf nicht mehr mechanisch dem Wiederholungszwang über-
lassen und ihn auch nicht mehr auf einen einzelnen „ein-
zeklemmten“ Affekt beschränken. Der ungeheure Unterschied
zwischen der Abreagierung in der Katharsis und der beim
„psychoanalytischen Erlebnis“ in unserem Sinne ist der, daß
man bei der Katharsis bestrebt war, die Affektabfuhr in unmittel-
barem Zusammenhange mit der Auffrischung pathogener Erinne-
rungsspuren zu provozieren, während unsere heutige analytische
Technik die pathogen wirksamen Affekte im Verhältnis zum Arzt
und zur Analyse, aJso in der analytischen Situation ablaufen läßt,
und erst diese Affektäußerungen dazu benützt, um mit ihrer Hilfe
‚
| ß Font 1ER hal I)
Nf , in! N, t Are lt
ey f
{ I DANN ON Lane) Dt nF TIER: TA
{
1 (
ee ne 2 0
N A Ta ie Kit Ze da A Tu 7 FALTER Tr
t a 6 I dr u ET 1 NER NT \ fi I
hr N RP J fe ‚ Sl Nur LA DIRAIN | ale ' Abi PER My un Mi Kt e PR & '
28 Dr. S. Ferenczi und Dr. Otto Rank
die traumatisch wirksamen Momente der Vergangenheit zur
spontanen Erinnerung zu bringen oder zu reproduzieren."
In dem hier gegebenen Unterschied zwischen der Absicht,
Erinnerungen zu suchen, um zu den Affekten zu gelangen,
und der, Affekte zu provozieren, um das Unbewußte zu
entlarven, liegt auch die tiefste Ursache dafür, daß die Analyse
auch als Wissenschaft zuerst eine Erkenntnisphase durchmachte, ehe
sie zur vollen Würdigung des Erlebnismomentes gelangen konnte.
Erst an dieser Stelle können wir den anscheinenden Widerspruch
zwischen der Auffassung Freuds von der hervorragenden
Bedeutung des Erinnerns und unserer Betonung der Erlebnis-
reproduktion verstehen und lösen. Auch die von uns verfolgte
Tendenz, das Wiederholen in der analytischen Situation zu provo-
zieren, läuft ja schließlich darauf hinaus, dem Patienten mit Hilfe
dieser Erlebnisse sozusagen neue aktuelle Erinnerungen zu
schaffen, an Stelle der bisher vom übrigen psychischen Inhalt
abgesperrten pathogenen Komplexe, die aufgefrischt und sozusagen
noch während des Erlebens selbst durch Bewußtmachung in
„Erinnerung“ übergeführt werden, ohne daß man ihnen Zeit und
Möglichkeit zur „Verdrängung“ läßt. So bleibt also schließlich
dochein Erinnernlassen der endgültige Heilungsfaktor, wobei es sich
eigentlich stets darum handelt, die eine — sozusagen organische —
Wiederholungsart, die Reproduktion, in eine andere, psychische
Wiederholungsform, das Erinnern — das ja doch schließlich auch
nur eine Form des mnemischen Wiederholungszwanges ist — zu
verwandeln. Dabei kann einem auch klar werden, warum gerade
die analytische Versagung, die sozusagen eine Wiederholung
des Traumas für den Patienten darstellt, zur Gewinnung der
heilsamen Überzeugung unentbehrlich ist. Ist doch das Bewußt-
werden überhaupt ein psychisches Phänomen, das die Lebewesen
niemals unter anderen Bedingungen als unter dem Druck einer
! Siehe Ferenczi: Weitere Beiträge zur aktiven Technik in der
Psychoanalyse (Zeitschrift 1921). — Zwischendurch kommt es allerdings
gelegentlich auch zu spontanen „Kathartischen* Endladungen, meist im
Zusammenhang mit nicht sehr tief verdrängtem Erinnerungsmaterial.
Entwicklungswege der Psychoanalyse "29
Versagungssituation, also zur Vermeidung von Unlust produzieren.!
Jedem anders erworbenen Wissen, und sei es logisch noch so
zwingend, fehlt diese Überzeugungsnote.
Darum müssen wir in der Analyse das Individuum zur Repro-
duktion des im Wesentlichen unbewußten Stückes seiner Fehlent-
wicklung drängen und lassen es ein Stück versagter Libido unter der
Bedingung ausleben, daß es durch Abfuhr und gleichzeitige Einsicht
in ihren Mechanismus die verfehlte Anpassung aufgibt und auf
Grund eines neuen Entwicklungsschubes durch eine realere ersetzt.
Dies erfolgt auf dem Wege der Überführung der Erregungs-
abläufe vom unbewußten Phantasieren in das höhere vorbewußte
Denken in der analytischen Situation. Damit ist aber auch der
Weg zur Abfuhr der Affekte zum erstenmal gebahnt und die
ganze psychische Existenz auf ein anderes Niveau, das Niveau der
Realanpassung gehoben. Die regelrechte Psychoanalyse ist in diesem
Sinne sozusagen ein sozialer Vorgang, eine „Massenbildung
zu zweien“, nach dem Ausspruche Freuds, wobei der Analytiker
als Vertreter der ganzen differenten Umwelt, besonders der
bedeutsamsten Personen seiner menschlichen Umgebung, fungieren
muß.
18, Ferencezi: Introjektion und Übertragung. Jahrb. I, 1909.
II
Historisch-kritischer Rückblick
Nachdem wir so in kurzen Umrissen dargestellt haben,
was unter analytischer Methode zu verstehen ist, sind wir rück-
blickend imstande zu erkennen, daß eine Reihe von fehlerhaften .
Techniken nur einem Stehenbleiben auf einer gewissen Entwick-
lungsphase der analytischen Erkenntnis entspricht. Es ist nur
natürlich, daß solche Entwicklungshemmungen auf allen Stufen
des analytischen Fortschrittes möglich waren und auch vorkamen,
ja, auch heute noch bestehen oder sich wiederholen.
Wir wollen versuchen, an. einzelnen Punkten zu zeigen, in
welcher Weise dies zu verstehen ist und damit nicht nur Streif-
lichter auf die historische Entwicklung der Psychoanalyse zu
' werfen, sondern hauptsächlich zur künftigen Vermeidung ähnlicher
Fehlentwicklungen beizutragen. Was nun folgt, ist also eigentlich
die Darstellung einer Reihe von unrichtigen, d. h. dem heutigen
Begriff der Psychoanalyse nicht mehr entsprechenden technischen
Methoden. |
Bei der in der Medizin allgemein üblichen klinisch-phänomeno-
logischen Betrachtungsweise war es nicht zu verwundern, wenn
es in der ärztlichen Praxis vielfach zu einer Art deskriptiver
Analyse, eigentlich einer contradictio in adjecto, kam. Eine
solche beschränkte sich in der Regel auf das Anhören, respektive
die breite Schilderung von Symptomen oder perversen Regungen
des Patienten, ohne wesentlich therapeutisch zu wirken, weil sie
das dynamische Moment vernachlässigte.
BR AATEB N 0 BRD A EAN En a Ra aa I a al
y ‚ | N RE a at, nu
% . . Zu ag, \ a
Entwicklungswege der Psychoanalyse 31
Eine ähnliche mißverständliche Art der Analyse bestand im
Sammeln der Assoziationen, als wären sie das Wesent-
liche und nicht bloß aufsteigende Bewußtseinsblasen, die uns nur
anzeigen, an welcher Stelle, eventuell in welcher Tiefe unter der
Oberfläche sich die wirksamen Affektregungen verbergen und
besonders welche Motive den Patienten dazu drängen, sich im
gegebenen Falle gerade der von ihm bevorzugten Assoziations-
wege zu bedienen. |
‚Weniger harmlos war der Deutungsfanatismus, der
dazu führte, daß man über der Fixigkeit lexikonhafter Über-
setzungen übersah, daß auch die Deutungstechnik nur eines ‚der
Hilfsmittel zur Kenntnis des unbewußten Seelenzustandes des
Patienten ist und nicht der Zweck oder gar der Hauptzweck der
Analyse. Dieses Übersetzen der Einfälle des Patienten ist ähnlich zu
werten wie auf sprachlichem Gebiet, von wo der Vergleich auch
genommen ist; das Nachschlagen der unverständlichen Vokabeln
ist die unvermeidliche Vorarbeit zum Verständnis des
ganzen Textes, nicht aber Selbstzweck an sich. Dieser „Über-
setzung“ muß erst die eigentliche „Deutung“ im Sinne des ver-
ständlichen Zusammenhanges folgen. Unter diesem Gesichtspunkt
verschwinden die so häufigen Streitigkeiten über die Richtig-
keit einer Deutung, i. e. Übersetzung. Fragen von Analytikern,
ob diese oder jene „Deutung“ — in unserem Sinne ist Über-
setzung gemeint — richtig sei, oder die Frage, was dieses oder
jenes — etwa im Traume — „bedeute“, zeugen von unvoll-
kommenem Verständnis der analytischen Gesamtsituation und von
der eben angedeuteten Überschätzung isolierter Einzelheiten. Diese
können einmal das, ein andermal etwas anderes bedeuten. Das
gleiche Symbol kann beim selben Patienten in einem anderen
Zusammenhang, in einer verschiedenen Situation, unter dem Druck
oder Nachlassen des Widerstandes, andere Bedeutung haben oder
annehmen. Es kommt in der Analyse so viel auf feine Details,
scheinbare Nebensächlichkeiten, wie Tonfall, Gebärde, Miene an;
es hängt so viel von der gelungenen Interpolation ab, vom ver-
ständlichen Zusammenhang, vom Sinn, den die Äußerungen des
32 Dr. S. Ferenezi und Dr, Otto Rank
Patienten durch seinen unbewußten Kommentar mit Hilfe unserer
Interpretation bekommen. Die Übersetzungstechnik vergaß also über
dem Interesse an der „richtigen“ Detailübersetzung, daß das Ganze,
das heißt die analytische Situation des Patienten
als solche, auch eine Bedeutung hat, u. zw. die Hauptbedeutung;
aus dem Gesamtverständnis ergibt sich erst jeweils die richtige
Detailinterpretation der übersetzten Stücke, dann aber zwanglos
und zweifellos, während der Übersetzungsfanatismus zur Schema-
tisierung führt und therapeutisch unfruchtbar ist.
Ein anderer methodischer Fehler war das Festhalten an der
überwundenen Phase der Symptomanalyse. Bekanntlich gab es
eine Frühperiode der Analyse, in der von den einzelnen Symptomen
ausgegangen und durch suggestives Drängen jene Erinnerungen
wachgerufen wurden, die, aus dem Unbewußten wirkend, die
Symptome produzierten. Diese Methode ist durch die seitherige
Entwicklung der psychoanalytischen Technik längst überholt.
Handelt es sich doch gar nicht darum, die Symptome zum Ver-
schwinden zu bringen, was ja jede Suggestivmethode leicht
erreichen kann, sondern darum, ihre Wiederkehr zu verhindern,
d.h. das Ich des Kranken widerstandsfähiger zu machen. Dazu
bedarf es eben einer Analyse der ganzen Persönlichkeit. Der
Analytiker hat daher, nach Freuds Vorschrift immer von der
jeweiligen psychischen Oberfläche auszugehen, und darf nicht den
assoziativen Verknüpfungen mit dem Symptom nachjagen. Offen-
bar war es zu verlockend und bequem, auf dem direkten Wege
der Befragung des Patienten über die Einzelheiten seines neuro-
tischen oder perversen Tuns Auskunft zu holen und so die Ent-
stehungsgeschichte seiner Abnormität direkt erinnern zu lassen.!
Erst eine Reihe von konvergenten Erfahrungen kann uns in den
Stand setzen, die vielen „Bedeutungen“, die einem Symptom im
bestimmten Falle zukommen können, zu verstehen. Mit der
! Die prinzipielle Ablehnung der „Symptomanalysen“ schließt die gelegent-
liche Befragung des Patienten über die Ursache der besonderen Vordringlichkeit
einer Symptomäußerung (z. B. der sogenannten passageren Symptome) natür-
lich nicht aus,
Entwicklungswege der Psychoanalyse 3
direkten Befragung erreichte man nur, daß die Aufmerksamkeit
des Patienten unzeitgemäß auf diese Momente hingelenkt,
dadurch aber auch der Widerstand dort etabliert wurde, indem der
Patient dieses an sich nicht gerade unberechtigte Hinlenken der
Aufmerksamkeit mißbrauchen konnte. Sokonnte es dazu kommen,
daß übermäßig lang „analysiert“ wurde, man aber nicht zur infan-
tilen Urgeschichte kam, ohne deren Rekonstruktion keine Behand-
lung eine wirkliche Analyse genannt werden kann. |
Etwas eingehender müssen wir uns mit einer Phase der
Analytik beschäftigen, die „Komplexanalyse“ genannt werden
kann und die eine wichtige Etappe der Verbindung mit der Schul-
psychologie konserviert. Das Wort „Komplex“ wurde zuerst von
Jung verwendet, als Vereinfachung eines komplizierten psycho-
logischen Tatbestandes, als Bezeichnung gewisser für die Person
charakteristischer Tendenzen, oder einer zusammenhängenden
Gruppe affektbetonter Vorstellungen. Diese immer mehr umfassende
und daher beinahe nichtssagend gewordene Bedeutung des Wortes
wurde dann von Freud dahin eingeschränkt, daß er nur die unbe-
wußt-verdrängten Anteile jener Vorstellungsgruppen mit dem
Namen „Komplex“ umschrieb. Je feiner aber die labilen, hin und
her wogenden Besetzungsvorgänge im Psychischen der Unter-
suchung zugänglich wurden, um so überflüssiger erschien die
Annahme von solchen starr abgesonderten, in sich zusammen-
hängenden und nur in toto erregbaren und verschiebbaren Seelen-
bestandteilen, die, wie die genauere Analyse zeigte, viel zu „komplex“
waren, als daß sie wie weiter nicht zerlegbare Elemente hätten
behandelt werden dürfen. In den neueren Werken Freuds figuriert
denn auch dieser Begriff nur mehr als Survival einer Periode der
Psychoanalytik, dem im psychoanalytischen System insbesondere seit
Schaffung der Metapsychologie eigentlich kein Platz mehr zukommt.
Es wäre wohl am folgerichtigsten gewesen, mit diesem nun-
mehr unbrauchbar gewordenen Rudiment aus früherer Zeit
überhaupt aufzuräumen und die den meisten Analytikern lieb-
gewordene Terminologie zugunsten eines besseren Verständnisses
aufzugeben. Statt dessen wurde vielfach die ganze Psyche gleichsam
3
34 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
als ein Mosaik solcher Komplexe vorgestellt und die Analyse dann
so betrieben, daß man einen Komplex nach dem anderen „heraus-
zuanalysieren“ bestrebt war; oder es wurde versucht, die ganze
Persönlichkeit als eine Summe von Vater-, Mutter-, Bruder-,
Schwesternkomplexen usw. zu behandeln. Es war natürlich leicht,
Material zu diesen Komplexen zu sammeln, da doch jeder Mensch
alle „Komplexe“ besitzt, das heißt jeder im Laufe seiner Ent-
wicklung mit dem Verhältnis zu den ihn umgebenden Personen und
Dingen irgendwie fertig werden mußte. Die zusammenhängende
Aufzählung der Komplexe, beziehungsweise Komplexmerkmale mag
in der beschreibenden Psychologie am Platze sein, nicht aber in der
. praktischen Analyse der Neurotiker, selbst nicht bei der analytischen
Bearbeitung literarischer oder völkerpsychologischer Produkte, wo
sie unweigerlich zu einer durch die Vieldeutigkeit des Stoffes durch-
aus nicht gerechtfertigten Monotonie führen mußte, die dadurch kaum
gemildert wurde, daß bald dieser, bald jener Komplex bevorzugt ward.
Mochte auch eine derartige Flächenhaftigkeit bei der wissen-
schaftlichen Darstellung manchmal als unvermeidlich hingenommen
werden, so durfte man doch nicht ein solches eingeengtes Inter-
esse in die Technik hineintragen. Die Komplexanalyse verleitete
den Patienten leicht dazu, seinem Analytiker angenehm zu sein,
indem er ihm beliebig lang „Komplexmaterial“ lieferte, ohne seine
wirklichen unbewußten Geheimnisse preiszugeben. So kamen
Krankengeschichten zustande, in denen die Patienten Erinnerungen
erzählen, offenbar erdichten, wie sie bei unvoreingenommenen
Analysen nie vorkommen und nur als Produkte einer solchen
„Komplexzucht“ aufgefaßt werden können. Derlei Ergebnisse
sollten natürlich weder subjektiv für die Richtigkeit der eigenen
Deutungstechnik, noch auch zu theoretischen Schlußfolgerungen
oder Beweisführungen verwertet werden.!
1 Als extremes Beispiel für die Subjektivität solcher Komplexvorlieben
sei auf Stekel hingewiesen, der dieselben neurotischen Symptome zuerst
auf Sexualität, dann auf Kriminalität, endlich auf Religiosität zurückführte.
Er mag ja, da er alles mögliche behauptet hatte, auf diese Weise auch mit
manchen seiner Einzelbehauptungen recht behalten.
ET LEINE IHN KEN I Be NIEREN EI NT ER Zr IL IL DR ELCH ART EL LAT a ELTERN
eh I Ma IRDILNTE RSS NN LARA ANTFINe IRRE RIUNN ae)
) r Mn» ur \ } h IPA) j
Entwicklungswege der Psychoanalyse 35
Besonders häufig geschah es, daß die Assoziationen des
Patienten unzeitgemäß aufs Sexuelle hingelenkt oder er dabei
belassen wurde, wenn er — wie so häufig — mit der Erwartung
in die Analyse kam, daß er fortwährend nur von seinem aktuellen
oder infantilen Sexualleben zu erzählen habe. Abgesehen davon, daß
dies in der Analyse gar nicht so ausschließlich der Fall ist, wie
unsere Gegner meinen, kann ein solches Gewährenlassen des
Schwelgens im Sexuellen dem Patienten oft die Möglichkeit bieten,
die ihm auferlegte Versagung auch in ihrer therapeutischen Wirk-
samkeit zu paralysieren. |
Auch das Verständnis für die vielgestaltigen und bedeutsamen
Seeleninhalte, die sich unter dem Sammelnamen „Kastrations-
komplex“ verbergen, wurde durch das Hineintragen der Kom-
plexlehre in die Dynamik der Analyse nicht gerade gefördert. Im
Gegenteil meinen wir, daß die voreilige theoretische Zusammen-
fassung der Tatbestände unter einem Komplexbegriff die Einsicht
in tiefere Schichten gehindert hat. Wir glauben, daß die volle
Würdigung dessen, was der analytische Praktiker sich gewöhnt
hat, mit der Etikette „Kastrationskomplex“ abzutun, noch aus-
steht, so daß dieser Erklärungsbehelf nicht leichthin als ultima
ratio so vieler und so verschiedener Seelenzustände und Vor-
gänge im Patienten hingestellt werden sollte. Wir können von
dem in der Praxis einzig gerechtfertigten dynamischen Standpunkt
in den Äußerungsformen des Kastrationskomplexes, wie sie
sich im Verlauf einer Analyse manifestieren, oft nur eine der
Widerstandsformen erkennen, die der Patient den tiefer
gelegenen libidinösen Regungen vorgeschaltet hat. Im Frühstadium
mancher Analysen läßt sich die Kastrationsan gst als Ausdrucks-
mittel der auf den Analytiker übertragenen Angst zum Schutz vor
der weiteren Analyse entlarven.
Wie wir schon angedeutet haben, erwuchsen technische
Schwierigkeiten auch aus einem Zuvielwissen des Analytikers.
So hat die Bedeutsamkeit der von Freud ausgebauten Theorie
der Sexualentwicklung manche dazu verleitet, gewisse Auto-
erotismen und Organisationssysteme der Sexualität, die
3*
36 Dr. S. Ferenczi und Dr. Otto Rank
uns das Verständnis für die normale Sexualentwicklung erst
eröffneten, mißverständlich und in allzu dogmatischer Weise in
der Therapie der Neurosen anzuwenden. Auf der Suche nach den
konstruktiven Elementen der Sexualtheorie wurde so in einzelnen
Fällen die eigentliche analytische Aufgabe vernachlässigt. Diese Art
Analysen waren gleichsam psychochemische „Elementar-
analysen“. Auch hier wieder zeigte sich, daß die theoretische
Bedeutsamkeit nicht immer mit der Bewertung in der praktischen
Analyse korrespondiert. Die Technik braucht nicht schulmäßig alle
sozusagen vorgeschriebenen Phasen der Libidoentwicklung historisch
bloßzulegen, geschweige denn, daß die Aufdeckung aller theoretisch
festgestellten Details und Rangordnungen als Heilungsprinzip der
Neurose zu verwerten ist. Auch ist es praktisch überflüssig, alle
Grundelemente einer hochkomplizierten „Verbindung“ aufzuzeigen,
die ja im voraus bekannt sein müssen, während das geistige
Band, das wenige Grundelemente zu immer neuen, andersartigen
Phänomenen verbindet, unserer Hand entschlüpft. Gilt doch von
den Erotismen (z. B. Urethral-Analerotik usw.) und den Organi-
sationsstufen (orale, sadistisch-anale und andere prägenitale Phasen)
dasselbe wie von den Komplexen: es gibt keine menschliche Ent-
wicklung ohne sie, man darf ihnen aber in der Analyse nicht die
Bedeutung für die Krankheitsentwicklung zuschreiben, die der
Widerstand unter dem Druck der analytischen Situation vortäuscht.
Bei näherem Zusehen ließ sich dann ein gewisser innerer
Zusammenhang zwischen „Elementaranalysen* und „Komplex-
analysen“ insofern erkennen, als die letzteren bei ihrem Bemühen,
die seelische Tiefe zu erfassen, auf den Granit der „Komplexe“
stießen, und ihre Arbeit in die Breite anstatt in die Tiefe ging.
Gewöhnlich versuchten sie dann, die mangelnde Tiefe der Libido-
dynamik durch einen Sprung in die Sexuallehre zu ersetzen und
verknüpften starre Komplexmerkmale mit ebenso schematisch
behandelten Bausteinen der Sexualtheorie, während ihnen gerade das
dazwischenliegende Kräftespiel der libidinösen Tendenzen entging.
Dieses Verhalten mußte zu einer theoretischen Überschätzung
des Quantitätsmomentes führen, die alles Pathogene
Bari,
NE ENG ON ANNIE BEINEN ANDTRLNDENR REIHE
KT HIT A LAe DR UMTEITHS SACHkaRen A/B
»r h j „u wer NER GLL SEN. Al hin
Entwicklungswege der Psychoanalyse 37
einer stärkeren Organerotik usw. zuschrieb;, eine Anschauung,
die ähnlich wie die voranalytischen Neurologenschulen durch
die Schlagworte „Vererbung“, „Entartung“ oder „Disposition“,
sich den Zugang zur. Einsicht in das wirksame Kräftespiel
der pathogenen Ursachen verlegte.
Seitdem die Trieblehre und mit ihr auch biologische
und physiologische Kenntnisse, zum Teil als Erklärungsbehelfe
psychischer Vorgänge herangezogen wurden, insbesondere seit-
dem die sogenannten „Pathoneurosen“ ‚„ die Organneurosen, ja
auch organische Erkrankungen psychoanalytisch behandelt werden,
ergaben sich zwischen Psychoanalyse und Physiologie Grenz-
streitigkeiten. Die schablonenhafte Übersetzung physiologischer
Vorgänge in die Sprache der Psychoanalyse ist unzulässig.
Insofern man organischen Prozessen analytisch nahezukommen
versucht, müssen die Regeln der Psychoanalyse auch hier
streng eingehalten werden. Man soll bemüht sein, das organisch-
medizinische und physiologische Wissen sozusagen zu vergessen
und einzig die psychische Persönlichkeit und ihre Reaktionen im
Auge behalten.
Verwirrend wirkte es ach, wenn einfache klinische Tatsachen
gleich mit Spekulationen über Werden, Sein und Vergehen ver-
knüpft und diese wie feststehende Regeln in die praktische Analyse
hineingezogen wurden, während Freud selbst in seinen letzten
synthetischen Arbeiten deren hypothetischen Charakter immer
wieder betont. Oft genug scheint denn auch ein solches Abgleiten
in. die Spekulation nur ein Ausweg aus unbequemen technischen
Schwierigkeiten gewesen zu sein. Wir wissen, wie sich ein
vorzeitiges Zusammenfassenwollen unter ein spekulatives Prinzip
in technischer Hinsicht rächen kann (Jungsche Theorie).!
1 Bekanntlich ging Jung soweit, die mnemische Bedeutsamkeit der in
der Analyse zutage geförderten infantilen Erlebnisse und der in ihnen eine
tätige Rolle spielenden Persönlichkeiten zugunsten einer Analyse auf der
„Subjektstufe“ zu vernachlässigen. Es verrät einen hohen Grad von Realitäts-
flucht, wenn man nur den idealisierten oder gar zu unpersönlichen Begriffen
verdunkelten Abkömmlingen der ursprünglichen Erinnerungen an Dinge und
Personen Realität und Wirksamkeit zugestehen will.
-
38 Dr. S. Ferenczi und Dr. Otto Rank
Fehlerhaft war es auch, unter Vernachlässigung des Indivi-
duellen, bei der Erklärung von Symptomen sogleich kulturgeschicht-
liche und phylogenetische Analogien heranzuziehen, so aufschlußreich
letztere auch an sich sein mögen. Anderseits verleitete die Über-
schätzung des Aktuellen zu einer prospektiv-anagogischen Inter-
pretation, die den pathologischen Fixierungen gegenüber unfruchtbar
blieb. Sowohl die „Anagogen“ als auch manche „Genetiker“
vernachlässigten über Zukunft und Vergangenheit die Gegen-
wart des Patienten; und doch äußert sich fast alles Vergangene
und alles unbewußt Angestrebte, insoferne es nicht direkt bewußt
oder erinnert wird (und das geschieht nur äußerst selten), in
. aktuellen Reaktionen im Verhältnis zum Arzt, respektive zur
Analyse, mit anderen Worten in der Übertragung auf die
analytische Situation.
Die theoretische Forderung der Breuer-Freudschen
Katharsis, die auf Symptomäußerungen verschobenen Affekt-
mengen direkt zu den pathogenen Erinnerungsspuren zurück-
zuführen und dabei doch zur Abfuhr und Wiederverankerung zu
bringen, erwies sich als unerfüllbar, d. h. dies gelingt nur in bezug
auf unvollständig verdrängtes, meist vorbewußtes Erinnerungs-
material, also auf gewisse Abkömmlinge des eigentlichen Unbe-
wußten. Dieses selbst, dessen Aufdeckung die Hauptaufgabe
der Psychoanalyse ist, kann — da es nie „erlebt“ wurde —
auch nicht „erinnert“ werden, man muß es auf gewisse
Anzeichen hin reproduzieren lassen. Die bloße Mitteilung, etwa als
„Rekonstruktion“, ist allein nicht geeignet, Affektreaktionen her-
vorzurufen; sie prallt von den Patienten zunächst wirkungslos ab.
Erst wenn sie etwas dem Analoges aktuell, in der analytischen
Situation, d.h. in der Gegenwart erleben, können sie sich von
der Realität des Unbewußten, meist auch nur nach wiederholtem
Erleben überzeugen. Unsere neuen Einsichten in die Topik der
Seele und die Funktionen der einzelnen Tiefenschichten geben
uns die Erklärung dieses Verhaltens. Das Unbewußt-Verdrängte
hat keinen Zugang zur Motilität, auch nicht zu jenen motorischen
Innervationen, deren Summe die Affektabfuhr ausmacht; das
Entwicklungswege der Psychoanalyse 39
Vergangene und Verdrängte muß also im Gegenwärtigen
und Bewußten (Vorbewußten), also in der aktuellen psychi-
schen Situation eine Vertretung finden, um affektiv erlebt werden
zu können. Im Gegensatze zu den stürmischen katbartischen
Abreaktionen wäre der in der psychoanalytischen Situation stück-
weise vor sich gehende Affektablauf als eine fraktionierte Katharsis
zu bezeichnen.
Wir glauben übrigens im allgemeinen, daß Affekte, um
überhaupt wirksam zu werden, erst aufgefrischt, das heißt
gegenwärtig gemacht werden müssen. Denn was uns nicht un-
mittelbar in der Gegenwart, also real affiziert, muß psychisch
unwirksam bleiben. NN | |
| Der Analytiker soll immer mit der Mehrzeitigkeit fast
jeder Äußerung des Patienten rechnen, wird aber auf die gegen-
wärtige Reaktion sein Hauptaugenmerk richten. Unter diesem
Gesichtspunkte kann es ihm erst gelingen, die Wurzeln der
aktuellen Reaktion in der Vergangenheit aufzudecken, das heißt,
die Wiederholungsbestrebung des Patienten in ein Erinnern zu
verwandeln. Die Zukunft braucht ihn dabei wenig zu kümmern.
Man kann diese Sorge jedem, der über seine gegenwärtigen und
vergangenen seelischen Strebungen genügend aufgeklärt wurde,
ruhig selbst überlassen. Die kulturgeschichtlichen und phylogene-
tischen Analogien aber müssen in der Analyse zumeist gar
nicht zur Erörterung kommen. Mit dieser Vorzeit braucht sich
der Patient fast niemals und auch der Arzt nur höchst selten
zu beschäftigen.
An dieser Stelle müssen wir uns auch mit gewissen Miß-
verständnissen in bezug auf die Aufklärung der zu Analysierenden
beschäftigen. Es gab eine Phase in der Entwicklung der Psycho-
analyse, in der man das Ziel der analytischen Behandlung darin
erblickte, gewisse Erinnerungslücken des Patienten durch Wissen
auszufüllen. Später erkannte man, daß das neurotische Nichtwissen
aus dem Widerstand, das heißt dem Nichtwissenwollen hervorgehe,
und dieser Widerstand es sei, der immer wieder entlarvt und
unschädlich gemacht werden müsse. Geht man in dieser Weise
7 E 7
venkeg
I,
Kt-
40 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
vor, so füllen sich die bisherigen amnestischen Lücken in der
Erinnerungskette des Patienten zum großen Teil automatisch, zum
andern Teil mit Hilfe sparsamer Deutungen und Erklärungen. Der
Patient lernt also nicht mehr und nichts anderes, als was und
wieviel er zur Beseitigung der herrschenden Störungen braucht.
Es war ein verhängnisvoller Irrtum zu glauben, daß niemand
vollständig analysiert sei, der nicht auch theoretisch in alle
Einzelheiten der eigenen Abnormität eingeweiht wurde. Freilich
ist es nicht leicht, die Grenze abzustecken, bis zu der die Instruk-
tion des Patienten durchzuführen ist. Unterbrechungen der regel-
rechten Analyse durch förmliche Aufklärungskurse mögen Arzt
und Patienten gleicherweise befriedigen, können aber an der Libido-
einstellung des Kranken nichts ändern. Eine weitere Folge solchen
Vorgehens war es auch, daß man den Patienten unmerklich dazu _
drängte, sich auf dem Wege der Identifizierung mit dem Analytiker
der eigentlichen analytischen Arbeit zu entziehen. Es ist ja bekannt,
sollte aber viel ernster gewürdigt werden, daß das Lehren- und
Lernenwollen eine für die a ungünstige psychische Ein-
stellung schafft.!
Gelegentlich hörte man von Anälytikern die Klage, diese oder
jene Analyse wäre an den „zu starken Widerständen“ oder an
der zu „heftigen Übertragung“ gescheitert. Die Möglichkeit solcher
extremen Fälle ist prinzipiell zuzugeben; stellen sich uns doch
tatsächlich manchmal quantitative Momente entgegen, die wir
praktisch keineswegs unterschätzen dürfen, da sie doch am End-
ausgang der Analysen ebenso wie an ihrer Verursachung einen
entscheidenden Anteil haben. Doch kann das Quantitätsmoment, an
und für sich so bedeutsam, zum Deckmantel für mangelhafte Einsicht
in das Motivenspiel werden, das schließlich über die Verwendungsart
und die Verteilung jener Quantitäten entscheidet. Weil Freud
einmal den Satz aussprach: „Alles was die analytische Arbeit stört,
! Das gilt auch für die Personen, die sich nur zu Lernzwecken einer
Analyse unterziehen (sogenannte „Lehranalysen“). Es passiert dabei nur zu leicht,
daß die Widerstände sich auf intellektuelles Gebiet (Wissenschaft) verschieben
und so unaufgeklärt bleiben.
SEE RT E AR Eau BL TEN A EEE TE 1 RI En }
RED ERLEBEN ak ia ai 6 ei
IR [7 g y y g x rn u KuaPEEH EN 1% r Ein
. . b W 4 re f Han,
{
Entwicklungswege der Psychoanalyse - 41
ist ein Widerstand,“ dürfte man nicht bei jeder Stockung in der
Analyse einfach sagen: „Das ist ein Widerstand.“ Dies brachte
namentlich bei Patienten mit stark ansprechbarem Schuldgefühl
eine analytische Atmosphäre zustande, in der sie sich quasi
ängstigen, den faux pas eines „Widerstandes“ zu begehen,
während der Analytiker der Situation hilflos gegenüberstand. Man
vergab dabei offenbar eine andere Aussage Freuds, nämlich, daß
wir in der Analyse darauf vorbereitet sein müssen, denselben
Kräften, die seinerzeit die Verdrängung verursachten, als „Wider-
stand“ zu begegnen, sobald wir uns anschicken, diese Verdrängungen
aufzuheben.
Eine andere analytische Situation, auf die die Etikette „Wider-
stand“ ebenfalls unkorrekt angewendet zu werden pflegte, ist die
negative Übertragung, die sich ihrer Natur nach gar nicht
anders denn als „Widerstand“ äußern kann und deren Analyse
die Hauptleistung der therapeutischen Beeinflussung darstellt. Vor
den negativen Reaktionen des Patienten hat man sich natürlich
nicht zu ängstigen, denn sie gehören zum eisernen Bestand einer
jeden Analyse. Auch die stürmische positive Übertragung, besonders
wenn sie sich am Anfang der Kur äußert, ist oft nur ein Wider-
standssymptom, das nach Demaskierung verlangt. In anderen Fällen,
und besonders in den späteren Stadien der Analyse, ist sie
aber das eigentliche Vehikel für die Zutageförderung unbewubt
gebliebener Strebungen.
In diesem Zusammenhang ist auch eine wichtige Regel der
psychoanalytischen Technik zu erwähnen, und zwar in bezug auf die
persönliche Beziehung zwischen Arzt und Patienten. Die theoretisch
geforderte Vermeidung jedes persönlichen Kontaktes außerhalb
der Analyse führte meist auch in der Analyse selbst zu einer
unnatürlichen Ausschaltung. alles Menschlichen und damit wieder
zur Theoretisierung des analytischen Erlebnisses.
Unter dieser Einstellung waren manche Praktiker allzu leicht
geneigt, einem Wechselin der Person des Analytikers
nicht jene Bedeutsamkeit beizulegen, die ihm vermöge der Auf-
fassung der Analyse als eines seelischen Prozesses, dessen Ein-
42 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
heitlichkeit durch die Person des Analytikers bedingt ist,
zukommt. Ein Wechsel des Analytikers mag ja in seltenen Aus-
nahmsfällen aus äußeren Gründen nicht zu umgehen sein, doch
glauben wir, daß man technische Schwierigkeiten — z.B. bei Homo-
sexuellen — nicht einfach durch die Wahl eines Analytikers vom
anderen Geschlechte umgehen kann. Denn in jeder regelrechten
Analyse spielt der Analytiker ohnehin alle möglichen Rollen für
das Unbewußte des Patienten; es liegt nur an ihm, dies jeweils
rechtzeitig zu erkennen und unter Umständen auch bewußterweise
auszunützen. Insbesondere handelt es sich dabei um die Rollen der
beiden Eltern-Imagines (Vater und Mutter), in denen der Analytiker
eigentlich ständig alterniert (Übertragung und Widerstand).
Es ist kein Zufall, daß technische Mißgriffe gerade bei den
Äußerungen der Übertragung und des Widerstandes so häufig
vorkamen. Man ließ sich eben leicht von diesen elementaren
Erlebnissen in der Analyse überrumpeln und vergaß merkwürdiger-
weise gerade hier die Theorie, die man an unrichtiger Stelle in
den Vordergrund gerückt hatte. Es mag dies auch auf subjektiven
Momenten beim Arzt beruhen. Der Narzißmus des Ana-
lIytikers erscheint geeignet, eine besonders ausgiebige Fehler-
quelle zu schaffen, indem er mitunter eine Art narzißtischer
Gegenübertragung zustande bringt, die den Analysierten
veranlaßt, einesteils Dinge in den Vordergrund zu schieben, die
dem Arzt schmeicheln, andernteils ihn betreffende Bemerkungen
und Einfälle abfälliger Art zu unterdrücken. Beides ist technisch
unrichtig; das erste, indem es zu Scheinbesserungen des Patienten
führen kann, die nur darauf berechnet sind, den Analytiker zu
bestechen und ihm auf diese Weise libidinöse Gegensympathie
abzugewinnen; das zweite, indem es den Analytiker von der
technischen Notwendigkeit abhält, bereits leise Anzeichen der
sich meist nur zaghaft hervorwagenden Kritik aufzuspüren und
dem Patienten zur unverhüllten Aussprache, beziehungsweise
Abreaktion, zu verhelfen. Die Angst und das Schuldbewußtsein
des Patienten können ohne diese, allerdings einige Überwindung
erfordernde Selbstkritik des Analytikers niemals bewältigt werden,
RR EG SE a 7 | 400
’ . i pr ü N r 4 n ich '
Entwicklungswege der Psychoanalyse 43
und doch sind diese zwei Gefühlsmomente die wesentlichsten
Faktoren für das Zustandekommen und die Aufrechterhaltung
der Verdrängung.
Eine andere Form, hinter der sich technische Unzulänglich-
keit verbarg, fanden manche Analytiker in einer gelegentlichen
Äußerung Freuds, die lautet, daß der Narzißmus des.
Patienten seiner Beeinflußbarkeit durch die Analyse eine
Schranke setzen könne. Wenn die Analyse nicht recht vonstatten
gehen wollte, tröstete man sich damit, daß der Patient eben „zu
narzißtisch“ sei. Und da der Narzißmus als Bindeglied zwischen
Ich- und Libidostrebungen ebenfalls bei jedem normalen und
abnormen Seelenvorgang irgendwie beteiligt ist, war es nicht
schwer, aus dem Tun und Denken des Patienten Beweise für
seinen „Narzißmus“ zu erbringen. Aber auch die .narzißtisch be-
dingten „Kastrations“-, beziehungsweise „Männlichkeitskomplexe“
darf man nicht so behandeln, als bezeichneten sie bereits die
Grenze der analytischen Auflösbarkeit.!
Wo die Analyse auf den Widerstand des Patienten stieß,
übersah man oft, inwieweit es sich dabei nur um pseudo-
narzißtische Tendenzen handelte. Insbesondere Analysen von
Personen, die bereits mit einer gewissen theoretischen Vorbildung
zur Analyse kommen, können einen davon überzeugen, daß vieles
von dem, was man theoretisch geneigt ist, dem Narzißmus zuzu-
schreiben, tatsächlich sekundär, pseudonarzißtisch ist und sich bei
fortgesetzter Analyse restlos im Elternverhältnis auflösen läßt.
Natürlich ist dabei ein analytisches Eingehen auf die Ichentwicklung
des Patienten notwendig, wie überhaupt bei der Analyse der
Widerstände die bisher allzusehr vernachlässigte Analyse des Ich
herangezogen werden muß, für die Freud in letzter Zeit wert-
volle Winke gegeben hat.
Die Neuheit) eines technischen Gesichtspunktes, der in letzter
Zeit unter dem Namen „Aktivität“ (Ferenczi) eingeführt
wurde, hat es mit sich gebracht, daß manche, um technischen
1 Wir wissen, daß Adler, der offenbar mit der Analyse der Libido
nicht weiter kam, an diesem Punkte stecken blieb.
Pays) 3 Hl iaabar a Bl a ZZ
) H| 1
44 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
Schwierigkeiten auszuweichen, dem Patienten oft mit gewaltsamen
Ge- und Verboten an den Leib rücken, was man als eine Art
„wilde Aktivität“ charakterisieren könnte. Dies ist allerdings
auch als Reaktion auf das andere Extrem, das strenge Fest-
halten an einer allzu starren „Passivität“ in der Technik zu
verstehen. Letzteres ist wohl durch die theoretische Einstellung
des: Analytikers, der zugleich Forscher sein muß, einigermaßen
gerechtfertigt. In der Praxis aber führt es leicht dazu, daß man dem
Patienten auch den Schmerz notwendiger Eingriffe ersparen will
und ihm die Führung in den Assoziationen wie in der Deutung
seiner Einfälle allzusehr überläßt.!
Die von der Analyse geforderte maßvolle, aber wenn nötig
energische Aktivität besteht darin, daß der Arzt es übernimmt,
jene Rolle bis zu einem gewissen Grade auch wirklich zu erfüllen,
die ihm das Unbewußte des Patienten und seine Fluchttendenzen
vorschreiben. Hiedurch wird der etwa gehemmten Wieder-
holungstendenz früherer traumatischer Erlebnisse Vorschub
geleistet, natürlich mit dem weiter führenden Ziele, diese Wieder-
holungsneigung gerade durch die Aufdeckung ihres Inhaltes
endgültig zu überwinden. Wo diese Wiederholung spontan zustande
kommt, ist ein Provozieren derselben überflüssig und der Arzt
kann ohneweiters die Umwandlung der Wiederholung in Erinnerung
(oder plausible Rekonstruktion) herbeiführen.
Diese letzten rein technischen Bemerkungen führen uns zu
dem bereits öfter gestreiften Thema der Wechselwirkung von
Theorie und Praxis zurück, dem wir nunmehr einige allgemeine
methodologische Bemerkungen widmen können.
1 Eine solche zu „passive Technik“ ihres Analytikers machen sich besonders
gerne Patienten mit stark „masochistischer“ Einstellung zunutze, indem sie selbst
Deutungen auf der „Subjektstufe“ vornehmen, wobei sie gleichzeitig ihre selbst-
quälerischen Tendenzen befriedigen und der tieferen Deutung ungläubigen Wider-
stand entgegensetzen. — In ähnlicher Weise kann man übrigens beliebig „ana-
gogische“ Traumdeutungen erzielen, wenn man dem in der Analyse etwas unter-
richteten Patienten selbst die Deutung der Traumelemente überläßt, ohne hinter
die durch die Moral überkompensierte Widerstandsdynamik zu gehen.
IV
Zur Wechselwirkung von Theorie und Praxis
Eine besondere, im Wesen der Psychoanalyse selbst gelegene
Schwierigkeit macht dieses Problem hier noch komplizierter als es
vielleicht auf anderen Wissensgebietensein mag. Diepsychoanalytische
Technik war ursprünglich und ist auch heute noch ein Mittel zu
einer kausalen Therapie der Neurosen und strebte die Beseitigung
der Symptome durch Bewußtmachung ihrer unbewußten Wurzeln
an. Die Therapie selbst beruht also auf einer Art „Wissen“ und
scheint so dem theoretischen Wissen nahe verwandt. Doch konnte
gerade die Analyse zum erstenmal deutlich zeigen, daß es sozu-
sagen zweierlei Arten von Wissen gibt, ein intellektuelles und
ein auf tiefer „Überzeugung“ basiertes, deren scharfe Auseinander-
haltung, besonders auf dem Gebiete der Psychoanalyse zu den
ersten und strengsten Forderungen gehören muß. Darin scheint
auch einer der Gründe zu liegen, warum die Psychoanalyse insofern
eine Sonderstellung in Anspruch nimmt, als in ihr „Plausibilität“
und „logische Notwendigkeit“ als Kriterium der Wahrheit nicht
genügen, sondern ein unmittelbares Wahrnehmen oder Erleben des
in Frage kommenden Prozesses zum Überzeugtwerden erforderlich
ist. Dieses „Erleben“ schließt aber zugleich nicht unbeträchtliche
Fehlerquellen in sich, wenn man nicht bei der Herauskristallisierung
theoretischer Ergebnisse aus den seelischen Erlebnissen das
subjektive Moment der eigenen Impression wieder weitgehend
auszuschalten vermag.
1 Siehe auch: Glaube, Unglaube und Überzeugung (Ferenczi: Populäre
Vorträge über Psychoanalyse).
46 Dr. S. Ferenezi und Dr, Otto Rank
Die therapeutische Technik wurde mit der Entwicklung der
Psychoanalyse immer vollkommener und detaillierter ausgebaut,
und zwar eben mit Hilfe dieser Technik selbst, welche auf diese
Weise gleichzeitig ein praktisches Instrument der Heilung und
ein solches der Erkenntnis war, da der Patient durch das „Wissen“
geheilt wurde. Die Analyse hat eben von Haus aus zwei gänzlich
verschiedene Aspekte, die einander aber fortwährend berühren,
schneiden, durchkreuzen, und es kommt nur darauf an, von
welchem Gesichtspunkt aus man jeweilen die Sache betrachtet.
Sieht man die analytische Technik als ein Mittel zum Auffinden
neuer psychologischer Tatsachen und Zusammenhänge, also zur
Erforschung des Seelenlebens an, so wird man sagen können, ihr
therapeutischer Wert sei rein zufällig; oder umgekehrt, vom
Standpunkt der Therapie gesprochen, wären ihre wissenschaft-
lichen Ergebnisse ein willkommenes Nebenprodukt.
Nun ist es aber, wie eben erwähnt, eine der Eigentümlich-
keiten der Psychoanalyse, daß das wissenschaftliche Instrument
zugleich ein heilendes ist, während andere Wissenschaften zu ihrer
Förderung Methoden benützen, die in bezug auf das Objekt als
destruktiv bezeichnet werden müssen (Anatomie, Vivisektion etec.).'
Bereits in den „Zukünftigen Chancen der psychoanalytischen
Therapie“? hat Freud das Wesentliche dessen vorweggenommen,
was man über die Wechselbeziehung zwischen psychoanalytischer
Technik und Therapie überhaupt sagen kann. Er führt dort unter
anderem aus, daß die Therapie viel bessere Erfolge zeitigen werde
(wohl auch raschere), wenn wir mehr wissen werden. Technische
1 Auch dieser Unterschied scheint auf jener merkwürdigen, nach Freud
einzigartigen Eigenschaft des Psychischen zu beruhen, wonach hier (im
Psychischen) dieselben Inhalte in mehrfacher Lesart niedergelegt
sein und topisch auseinandergelegt werden können (siehe die Topik in Freuds
Metapsychologie). Das macht es möglich, daß man im Kranken die Vergangenheit
mnestisch (wohl auch halluzinatorisch) wiederbeleben und zu gleicher Zeit zum
Objekte der gegenwärtigen Beobachtung machen kann, ohne daß man
die gegenwärtige Persönlichkeit des Analysierten „zerstören“ müßte.
2 Vortrag auf dem II. Psychoanalytischen Kongreß zu Nürnberg, 1910.
Entwicklungswege der Psychoanalyse 47
Schwierigkeiten und die Notwendigkeit ihrer Bekämpfung waren eben
für Freud das eigentliche Motiv zu allen jenen Forschungen, die ihn
zum Entdecken des unbewußten Seelenlebens, seiner Mechanismen,
Dynamismen und seiner Ökonomie führten, deren Kenntnis dann
allerdings rückwirkend wieder unser technisches Können in dem
oben angeführten Sinne fördern konnte. Man kann hier umge-
kehrt wie im Falle eines stets neue Schwierigkeiten schaffenden
circulus vitiosus, förmlich von einem circulus benignus sprechen,
von einer gegenseitig fördernden Beeinflussung der Praxis durch
die Theorie und der Theorie durch die Praxis.
Es ist vielleicht nicht übertrieben zu behaupten, daß diese
Art gegenseitiger Kontrolle der Erkenntnis durch die Erfahrung
(Empirie, Induktion) und der Erfahrung durch vorhergehende
Erkenntnis (Systemisierung, Deduktion) die einzige ist, die eine
Wissenschaft davor behüten kann, in die Irre zu gehen. Eine
Disziplin, die sich mit dem einen oder dem anderen Forschungs-
wege allein begnügen oder auf die Kontrolle durch eine Gegen-
probe zu früh verzichten wollte, wäre dazu verurteilt, den sicheren
Boden unter den Füßen zu verlieren; die reine Empirie, weil ihr
der befruchtende Gedanke fehlte, die reine Theorie, weil sie in
voreiligem Allwissen die Motive zu weiterer Forschung ver-
stummen ließe.
Freuds Psychoanalyse verdient es, in der Wissenschafts-
lehre als Beispiel des richtigen „utraquistischen“ Forschens genannt
zu werden. Sie wurzelt in der praktischen Notwendigkeit, gewisse
auf Abwege geratene Seelenfunktionen zu beeinflussen, also in
der Realität. Und zu dieser kehrte sie immer wieder zurück,
wenn sie die Stichhaltigkeit der ihr von der Erfahrung auf-
gedrungenen oder durch logische Folgerungen abgezwungenen
Theorien prüfen wollte. Zur Illustration dieser günstigen Wechsel-
wirkung möge hier auf einzelne bedeutsame Entwicklungsschübe
der Freudschen Forschung hingewiesen werden.
Die erste Theorie von Breuer und Freud, die Lehre von
der Abreagierung eingeklemmter Affekte, von der Fähigkeit der
Seele, Affekte von ihren Objekten zu lösen und anders zu ver-
ITWa'g Yigg
A a
iR
,uarE Mi . la
48 Dr, S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
wenden, beruhte, abgesehen davon, daß sie uns gewisse Seelen-
vorgänge plausibler, verständlicher machte, ausschließlich auf der
therapeutischen Wirkung der kathartischen Erinnerungsforschungen
bei der Hysterie, Allerdings erleichterten dann diese Erkenntnisse
die kathartische Therapie selbst, d. h. das Suchen nach jenen
pathogenen Erinnerungen wesentlich.
Die praktische Schwierigkeit, daß man die wenigsten Menschen
ordentlich hypnotisieren kann, veranlaßte Freud, auf die Hypnose,
dann auch auf andere Suggestionsmittel zu verzichten und die
Patienten „frei assoziieren“ zu lassen. So ergaben sich über-
raschende Einsichten in das bisher durch die hypnotische: Affekt-
bindung verdeckt gewesene unbewußte Material. Die Technik des
freien Assoziierens führte zur Entdeckung des Inhaltes und der
Äußerungsformen des unbewußten Denkens überhaupt. Die psycho-
analytisch-technische „Grundregel“ der freien Assoziation lieferte
auch den Stoff, der Freud zur Schaffung einer topisch-dynamischen,
später durch den ökonomischen Gesichtspunkt ergänzten meta-
psychologischen Betrachtungsweise befähigte. Selbstverständlich
erleichterte dann diese Theorie die Orientierung in dem unüber-
sichtlichen Material, das durch freies Assoziieren gewonnen
wurde, und förderte die praktische Aufgabe, sich im einzelnen
Falle zurecht zu finden.
Da sich in jedem Neurosenfalle ausnahmslos sexuelle
Traumen der‘ Kinderzeit als Knotenpunkte der Symptomatik
erwiesen, gelangte man zunächst zur Aufstellung der „Trauma-
theorie“ der Hysterie. Als es aber offenbar wurde, daß auch
solche Traumata in der freien Assoziation zur Sprache kamen, die
in der Realität unmöglich vorgekommen sein konnten, mußte sich
Freud zu einer Modifikation der Theorie entschließen, die nebst
der äußeren auch die psychische Realität,. insbesondere die Phan-
tasietätigkeit als Faktor bei der Symptombildung berücksichtigte.
Welch großen Fortschritt diese Erkenntnis für die analytische
Psychologie bedeutete und wie fördernd sie auf die Praxis und
Technik der Analyse zurückwirkte, brauchen wir hier wohl nicht
näher auszuführen. an
Entwicklungswege der Psychoanalyse 49
Die praktische Notwendigkeit, in gewissen Fällen von Angst-
hysterie die Patienten nebst dem freien Assoziieren auch zu
gewissen Unlustüberwindungen zu verhalten, wie Freud es vor-
schrieb," führte zu Berücksichtigung aller jener Leistungen, die
dem Patienten in der Kur außer der offenen Aussprache zufallen.
Die theoretische Betrachtung jener seelischen Vorgänge, die als
Wirkung solcher „aktiven“ Eingriffe zustande kommen, eröffnete
dann einen tiefen Einblick in die Dynamik der Seelenvorgänge
überhaupt, und wir haben ja im Laufe unserer Ausführungen
darauf hinweisen können, daß die Verwendung einer allerdings in
weiterem Sinne genommenen „Aktivität“ dann die praktische
Leistungsfähigkeit der Therapie in unerwartetem Maße zu steigern
imstande ist.
Die letzten Arbeiten von Freud, die den Ausbau der bisher
zugunsten des Libidostudiums vernachlässigten Ichpsychologie
nachzuholen suchen, zeigen deutlich, daß unser therapeutisch-
technisches Können auch in dieser Hinsicht vielfach der wissen-
schaftlichen Überlegung vorausgeeilt war. Insbesondere die letzte
Arbeit Freuds, von der wir auf dem VII Kongreß in Berlin
sozusagen die Ouvertüre zu hören bekamen,’ versucht nach-
holend einige naheliegende Erfahrungstatsachen aus der Praxis mit
unserem theoretischen Wissen in Einklang zu bringen oder
besser gesagt, dieses zu modifizieren und zu erweitern, soweit
es sich zur Erklärung dieser Tatbestände unzureichend erweist.
Man könnte vielleicht, den sich aus diesen Beispielen ergebenden
Eindruck resümierend, sagen: So wie die ersten theoretischen
Grundkonzeptionen Freuds, in mühsamer Detailarbeit aus
zahllosen Erfahrungseindrücken herauskristallisiert, der wirk-
samste Ansporn für die Ausgestaltung der eigentlich analytischen
Technik — zum Unterschied von dem früher geübten Verfahren
I! Wege der psychoanalytischen Therapie. Vortrag auf dem V, Psycho-
analytischen Kongreß, Budapest 1918.
® Das Ich und das Es, welche Arbeit inzwischen in extenso erschien.
4
h
‚ ie ELLE
ae,
50 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
— waren, so ist fortschreitend in dem Maße, als wir das Unbe-
wußte verstehen und beherrschen gelernt haben, immer wieder
ein neues Stück Theorie notwendig gewesen, die ihrerseits wieder
das technische Können gesteigert hat.
Die Psychoanalyse scheint nunmehr an einem Punkt der
Entwicklung angelangt, wo unser Wissen um den vorher vernach-
lässigten, aber größeren Anteil des Seelenlebens, seinen Inhalten
und Mechanismen, bereits ausreicht, um erhebliche therapeutische
Wirkungen zu erzielen, vorausgesetzt, daß man sich darüber klar
ist, wie dieses Wissen in zweckmäßiger Weise
praktisch zu verwerten sei. Gerade über diesen Kardinal-
punkt haben wir uns aber offenbar viel zu wenig Rechenschaft
gegeben. Vielmehr scheint es, daß in den Analysen vielfach das
theoretisch Bedeutsame anstatt des analytisch Wichtigen gesucht
wurde, während umgekehrt praktisch Wichtiges auch leicht
theoretisch überschätzt zu werden pflegte.
Extrem ausgedrückt ließe sich das Problem etwa so formu-
lieren, daß die Psychoanalyse, die aus einer Therapie zu einer
Wissenschaft, ja Weltanschauung geworden ist, sorgfältig unter-
scheiden muß, was von diesem ungeheuren Lehrgebäude wesentlich
Therapie im engeren Sinne geblieben ist. Statt die Theorie irrtümlich
in Bausch und Bogen „therapeutisch“ anzuwenden, muß man sich
vielmehr fragen, was von der ganzen Psychoanalyse sich zur
Anwendung auf die Medizin geeignet erweist und was als
allgemein psychologisches Wissen, als Theorie, oder
höchstens als „Therapie der Normalen“ (Pädagogik) zurückbleibt. So
sind die „Komplexe“ beispielsweise Resultate der Theorie, die für die
Normalpsychologie ihren Wert behalten, deren Feststellung aber nie-
mals Resultat der therapeutischen Bemühung sein kann („einen Kom-
plex herausanalysieren“), vielmehr deren Voraussetzung bilden muß.
Es war ein begreiflicher, aber verhängnisvoller Irrtum mancher
Anhänger, zu glauben, daß in der Analyse das bloße Finden eines
Fehlers (in der Entwicklung) zugleich therapeutische Wirkung
habe; vielmehr ist im Gegensatz zu dieser einseitig „sokratischen“
Auffassung das eigentlich wirksame Medikament erst in der
Entwicklungswege der Psychoanalyse
richtigen Verknüpfung der Affektivität mit der intellektuellen
Sphäre zu suchen.
Wie es also natürlicher- und notwendigerweise fördernde
Wechselbeziehungen zwischen Technik und Theorie der Analyse gibt,
so gab es auch aus der verschiedenen Natur der beiden notwendig
störende oder hemmende Einflüsse von beiden Seiten. Was
wir unter „störenden“ Einflüssen der Theorie auf die Praxis
verstehen, haben wir hauptsächlich im kritischen Teil gezeigt. Im
allgemeinen läßt sich sagen, daß die Vorteile, welche aus der groß-
artigen Erweiterung unseres Wissens vom Unbewußten für die
Normalpsychologie erwuchsen, den therapeutischen Interessen nicht
immer genügend nutzbar gemacht wurden. Diese Art des allzu
theoretischen Wissens wurde sogar vielfach zum Hindernis des
praktischen Könnens. Der Arzt mit zu viel Wissen hatte sozu-
sagen „les defauts de ses avantages“. Bei einer jungen, im Werden
begriffenen Wissenschaft, wie es die Analyse war, konnte man
es gerechtfertigt finden, wenn der analysierende Arzt die beiden
Aufgaben des Heilens und des Forschens miteinander zu verbinden
wußte, wie es inso vorbildlicher Weise Freud selbst getan hat.
Begreiflicherweise hat aber die Tendenz, dieses Vorbild zu erreichen,
nicht selten mehr zu einer Verwechslung dieser Aufgaben, denn
zu ihrer Verbindung geführt.
Der theoretisierende Analytiker läuft immer Gefahr, beispiels+
weise einer neu aufgestellten Behauptung zuliebe den für
sie beweisenden Argumenten nachzuforschen, während er den
Heilungsprozeß einer Neurose zu fördern vermeint. So konnten
zwar wichtige Bestätigungen für gewisse Theorien gefunden
werden, aber der Heilungsvorgang im abnormen Dynamismus des
Seelenlebens wurde dadurch kaum gefördert. Die Heilungen, die
man mit Hilfe des kleineren Wissens rasch erzielte, sind jenen,
zu denen man auf Grund einer vertieften Einsicht, wenn auch in
langsamerem Tempo gelangt, gewiß nicht gleichwertig.
Die ersten Mitteilungen Breuers und Freuds, die noch
ausschließlich mit wenigen einfachen Vorstellungen operierten,
berichteten von glänzenden Heilungen, die manchmal in wenigen
4*
52 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
Tagen oder Wochen erzielt wurden. Ähnliche Glanzerfolge erlebte
jeder von uns am Beginn seiner psychoanalytischen Laufbahn,
manche vielleicht auch bevor sie: die Analyse anwandten; denn
Heilerfolge ließen sich mit allen psychotherapeutischen Maßnahmen
erzielen, bewiesen aber bei der Unkenntnis der dabei in Betracht
kommenden Vorgänge kaum etwas für oder gegen die angewandte
Methode. Inwieferne dies auch für die Psychoanalyse gilt, die
übrigens ihre heute schon unbestrittenen therapeutischen Erfolge
als Beweis für die Richtigkeit ihrer Theorie nie überschätzt hat,
werden wir im letzten Abschnitt kurz berühren. Wenn mit dem
Anwachsen unserer Kenntnisse überhaupt und der Erfahrung des
Einzelnen die Berichte über solche Wunderheilungen immer seltener,
die Analysen selbst länger wurden, so möchten wir diese Tatsache
ebenso wenig gegen die psychoanalytische Lehre ausgenützt wissen
wie die anfänglich raschen Erfolge für dieselbe. Die Länge der
Behandlungsdauer kann niemals ein Argument gegen die Richtigkeit
einer Methode sein, wenn sich nur nachträglich erweisen läßt,
daß diese Verlängerung ein notwendiger und unvermeidlicher
Umweg zur Erreichung eines besseren Resultates, einer kausal
wirkenden Therapie war.!
Kann man den Praktikern nur empfehlen, die Lücken des
theoretischen Wissens durch entsprechende Schulung und die
eigene Analyse zu beseitigen, so müßte man den Übertheonetikern
raten, ihr theoretisches Interesse bei der praktischen Analyse
möglichst beiseite zu schieben und jeden neuen Fall neu anzugehen,
das heißt, sich nicht vor neuen Erfahrungen zu verschließen.
Diese Forderung nach einer theoretisch möglichst unvorein-
genommenen Einstellung zum Patienten soll uns jedoch nicht als
antiwissenschaftliche Tendenz ausgelegt werden; wir wissen den
Wert einer wissenschaftlich geforderten Einstellung, welche
mit der Konzentration der Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes,
1 Die Patienten, die über die lange Dauer der psychoanalytischen
Behandlung klagten, hatten im gewissen Sinne recht. Wir konnten uns aber
demgegenüber mit gutem Gewissen sagen, daß diese Zeitverlängerung schließlich
auch einen besseren Erfolg verbürge.
Entwicklungswege der Psychoanalyse 53
theoretisch zu bearbeitendes Thema verbunden ist, vom Standpunkt
der Wissenschaftsförderung sehr wohl zu schätzen. Unsere Kritik
richtete sich nur gegen die Überschätzung, das Fixiertbleiben in der
oder jener Phase der Entwicklung der Psychoanalyse, insbesondere
an jenen Punkten, an denen das richtige Verhältnis zwischen
Theorie und Praxis nicht genügend erkannt oder beachtet worden
war, indem vieles teils zu wörtlich, teils zu allgemein genommen
wurde, was nur für einen bestimmten Zusammenhang und eine
bestimmte Stufe der Erkenntnis richtig war. Wir meinen also, daß
die meisten Mängel der Technik und gewisse daraus folgende
therapeutische Schwierigkeiten als Ergebnis einer unzureichenden
Orientierung über das wirkliche Wesen der psychoanalytischen
Methode und den eigentlichen Sinn und das Ziel der psycho-
analytischen Behandlung zu verstehen waren.
te u PER
un
3
&
NT
A a a 2 A a a Te A A I Re Aa Zi ii
f Kılr % ‘
V
Ergebnisse
Die Anfänge der Psychoanalyse waren rein praktisch. Sehr
bald jedoch ergaben sich als Nebenprodukt der therapeutischen -
Beeinflussung der Neurotiker wissens chaftliche Einsichten
in den Aufbau und die Funktion des psychischen Apparaätes, seine
individuelle und Artgeschichte, endlich in die biologischen
Grundlagen (Trieblehre).
Als Hauptergebnis der günstigen Rückwirkung dieser
Erkenntnisse auf die psychoanalytische Praxis stellte
sich die Entdeckung des Ödipuskomplexes als Kern-
komplex der Neurose und die Bedeutung der Wiederholung
der Ödipusrelation in der analytischen Situation (Über-
tragung) dar.
Das Wesentliche des eigentlichen analytischen Eingriffes
besteht jedoch weder in der Konstatierung eines „Ödipuskomplexes“,
noch in der einfachen Wiederholung der Ödipusrelation im
Verhältnis zum Analytiker; vielmehr in der Auflösung, beziehungs-
weise Ablösung der infantilen Libido von ihrer
Fixierung an die ersten Objekte.
So entwickelte sich das psychoanalytische Heilverfahren, wie
wir es heute verstehen, zu einer Methode, welche das volle
Durcherleben der Ödipusrelation im Verhältnis des Patienten
zum Arzt zum Zwecke hat, um sie dann mit Hilfe der Erkenntnis
einer neuen, günstigeren Erledigung zuzuführen.
Diese Relation stellt sich unter den Bedingungen der Analyse
von selbst her; dem Analytiker fällt die Aufgabe zu, sie
NENNEN SEHEN HRTNNE II NG PRRHTIRERLENGEEERTIUEEN Z
oe e & 1 Ai AN ‘ ur hit Hal, es (ft ’ r
Entwicklungswege der Psychoanalyse 55
schon an leisen Anzeichen zu entdecken und den Patienten zur
vollen Reproduktion im analytischen Erlebnis zu veran-
lassen; gelegentlich muß er durch entsprechende Maßnahmen diese
Spuren zur Entfaltung bringen (Aktivität).
Die theoretisch bedeutsamen und an sich unentbehrlichen
Kenntnisse über die normale seelische Entwicklung (Traumlehre,
Sexualtheorie usw.) sind in der Praxis nur insoweit zu verwenden, als
sie dazu verhelfen, die in der analytischen Situation zu erstrebende
Reproduktion des Ödipusverhältnisses zu ermöglichen, beziehungs-
weise zu erleichtern. Ein Sich-Verlieren in Einzelheiten der Ent-
wicklungsgeschichte des Individuums, ohne diesen Zusammenhang
immer wieder herzustellen, ist praktisch unrichtig und erfolglos,
liefert aber auch theoretisch viel weniger verläßliche Resultate als die,
die sich im Sinne der obigen Darstellung praktisch bewährt haben.
Die bis jetzt vernachlässigte wissenschaftliche Bedeut-
samkeit der richtig gehandhabten Technik muß die
ihr gebührende Würdigung finden. Es sollen also weniger als
bisher theoretische Resultate mechanisch auf die Technik rück-
angewendet werden; vielmehr muß eine stetige Korrektur der
Theorie durch die in der Praxis gewonnenen neuen Einsichten
erfolgen.
Von ihrem rein praktischen Ausgangspunkt gelangte
die Psychoanalyse unter dem Eindruck der ersten überraschenden
Einsichten in eine Erkenntnisphase. Mit der rasch wach-
senden Erkenntnis der allgemeinen seelischen Mechanismen
wurden aber die anfangs so frappanten Heilerfolge im Verhältnis
unbefriedigender, so daß man darauf bedacht sein mußte, das
neu erworbene Wissen, das dem therapeutischen Können weit
vorausgeeilt war, damit wieder in Einklang zu bringen.
Unsere eigenen Ausführungen bezeichnen in diesem Sinne
den Beginn einer Phase, die wir im Gegensatz zur vorherigen als
Erlebnisphase bezeichnen möchten. Während man sich
nämlich früher bemühte, die therapeutische Wirkung als Reaktion
auf die Aufklärung des Patienten zu erzielen, bestreben wir uns
nunmehr, das von der Psychoanalyse bisher erworbene Wissen
56 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
weit unmittelbarer in den Dienst der Therapie zu stellen, indem
wir auf Grund unserer Einsicht die entsprechenden Erlebnisse
in direkterer Weise provozieren und dem Patienten nur dieses
ihm natürlich auch unmittelbar evidente Erlebnis erklären.
Das Wissen, auf Grund dessen wir imstande sind, an richtiger
Stelle und in entsprechender Dosierung einzugreifen, besteht im
wesentlichen in der Überzeugung um die universale Bedeutsamkeit
gewisser fundamentaler Früherlebnisse (wie z. B. des
Ödipuskonfliktes), deren traumatische Wirkung in der Analyse —
nach Art der „Reizkuren“ in der Medizin — wieder neu entfacht
und unter dem Einfluß der in der analytischen Situation erstmalig
bewußt durchlebten Erfahrung zu einem zweckmäßigeren Ablauf
gebracht wird.
Diese Art der Therapie nähert sich in gewisser Hinsicht
einer Erziehungstechnik, wie ja auch die Erziehung selbst —
schon durch das affektive Verhältnis zum Erzieher — viel mehr
im Erlebnis- als im Aufklärungsmoment wurzelt. Auch hier, wie in
der Medizin, wiederholt sich allerdings der ungeheure Fortschritt
vom rein intuitiven und dabei oft fehlgehenden Eingreifen zu der
zielbewußten, weil auf Verständnis beruhenden Einleitung des
analytischen Erlebnisses. |
VI
Ausblicke
Wenn es uns auch, wie wir voraussagten, kaum gelingen
konnte, die Geschichte der Psychoanalyse unter dem Gesichtspunkt
der Wechselwirkung von Theorie und Praxis erschöpfend dar-
zustellen, so meinen wir doch, diesen Entwicklungsgang wenigstens
in großen Umrissen skizziert zu haben und glauben auch imstande
zu sein, die zukünftigen Entwicklungswege zu erraten.
Von dem rein praktischen Ausgangspunkt der Breuerschen
Katharsis führte der wiederholt geschilderte Weg zur eigent-
lich Freudschen Psychoanalyse, die zugleich mit immer fort-
schreitender technischen Vervollkommnung zum wissenschaft-
lichen Lehrgebäude wurde, welches eine ganz neue Psychologie
begründete. Wir zeigten, wie es durch Verkennung dieser Doppel-
rolle der Psychoanalyse und der unvermeidlichen Einseitigkeiten
dazu kommen konnte, ja kommen mußte, daß bald diese, bald jene
Bedeutung auf Kosten der anderen überschätzt wurde. Die letzte
extreme Auschwingung dieser Pendelbewegung war das Überhand-
nehmen einer allzu theoretisierenden Richtung, wie sie sich nach
allgemeinem Eindruck auch» auf dem letzten Berliner Kongreb
(September 1922) gezeigt hatte. Unsere positiven Ausführungen
versuchten demgegenüber das notwendige Gleichgewicht durch eine
stärkere Betonung der praktischen Gesichtspunkte herzustellen,
wobei es nicht zu umgehen, vielleicht sogar notwendig war, stellen-
weise ins andere Extrem zu verfallen.
Diese Selbstmahnung soll uns aber nicht davon abhalten, die in
dieser Richtung möglichen Weiterentwicklungen, wenn auch nur
58 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
im Großen und Ganzen, zu durchdenken, in der Erwartung, daß
wir bei konsequenter Fortführung des Gedankenganges wenigstens
an einzelnen Punkten der Wirklichkeit nahe kommen.
In dem Budapester Kongreßvortrag (September 1918) über
die „Wege der psychoanalytischen Therapie“, wie sie sich Freud
vorstellte, ist eigentlich das Wesentliche schon vorausgesagt.
Auffällig ist nur, daß die so bedeutsamen Anregungen
Freuds nicht die ihnen unserer Ansicht nach gebührende
Würdigung in der Praxis gefunden haben,! ja es zuletzt den
Anschein gewann, als sollte die so eminent praktischen Zwecken
dienstbare Psychoanalyse von einer theoretisch-spekulativen Welle
überflutet werden. Das veranlaßte uns, an diese Ausführungen
Freuds anzuknüpfen, um wieder einmal die praktischen Gesichts-
punkte, dieFreud selbst nie aus dem Auge verlor, auch in ihrer
theoretischen Bedeutsamkeit zu betonen.
Die Psychotherapeuten vor Breuer waren bekanntlich in
extremer Weise aktiv; aber sie waren eben nichts als aktiv, das
heißt, es fehlte ihnen die Einsicht in den seelischen Mechanismus
der Krankheit wie auch ihres eigenen Tuns und seiner Wirkungs-
weise. Insoweit sie instinktiv das für den betreffenden Fall
Richtige trafen, hatten und haben sie sicherlich Erfolge, und zwar
indem sich eigentlich ohne ihr Verständnis die von ihnen jeweils
bevorzugte (energische oder liebevolle) Form der Aktivität irgend-
wie wirkungsvoll für die Patienten gestaltete. Der gewaltige Fort-
schritt, den Freuds Psychoanalyse, über Breuers Katharsis
hinausgehend, darstellte, war die Erkenntnis von der grund-
legenden Bedeutung der Übertragung für die Therapie überhaupt.
Alle weiteren Fortschritte der analytischen Technik seither kann
man im Wesentlichen als die konsequente Ausgestaltung und
Nutzbarmachung dieser Grundeinsicht betrachten. Aber auch die
1 Eine rühmenswerte Ausnahme bilden die Bestrebungen zur Schaffung
poliklinischer Institute, deren Gründung bekanntlich auf diese
Anregung Freuds zurückgeht. Siehe dazu den „Bericht über die Berliner
Psychoanalytische Poliklinik“ (März 1920 bis Juni 1922) von Dr. M. Eitingon
(Internat. Zeitschr. f. Psa. VIII, 1922; auch separat im Internat. PsA Verlag).
ln 13 N dd EN » y
l fr, N
\
Entwicklungswege der Psychoanalyse 59
wesentlichen theoretischen Fortschritte Freuds knüpfen an diesen
ursprünglich praktischen Gesichtspunkt an (z. B. die Erkenntnis
des infantilen Ödipuskernes aus der Übertragungssituation); so
sehr sich auch die psychoanalytische Lehre seit ihren Anfängen
in die Breite und Tiefe entwickelt hat, ist Freud auch im Tech-
nischen niemals von der Grundtatsache des affektiven Erlebnis-
momentes als des wesentlichen Heilfaktors abgewichen.
Dazu gehörte allerdings die seltene Fähigkeit, das fort-
schreitende Wissen immer wieder auch zum Förderungsmittel des
eigentlich therapeutischen Agens zurückzuleiten. Es ist offenbar
nicht jedem gegeben, das theoretische_Interesse und die prak-
tischen Notwendigkeiten immer so zielbewußt auseinanderzuhalten
und dabei doch, soweit erforderlich, miteinander zu verknüpfen.
So werden die theoretischen Übertreibungen in der Praxis ver-
ständlich, gegen die sich hauptsächlich unsere kritischen Bemer-
kungen gewandt haben, während die positiven Vorschläge darauf
hinzielten, andeutungsweise zu zeigen, wie das gesamte analytisch
erarbeitete psychologische Wissen in den Dienst der Praxis, d.h.
des analytischen Erlebnismomentes, gestellt werden kann und soll.
Man würde fehlgehen, wollte man aus dem Gesagten den
Schluß ziehen, als unterschätzten wir die Theorie oder das Wissen
an und für sich. Das ist durchaus nicht der Fall. Nur glauben wir,
daß in dieser Hinsicht eine Veränderung in der bisherigen Einstellung
unvermeidlich ist. Wir sind nach wie vor der Ansicht, daß der
Analytiker, wie der Fachmann jedes anderen Gebietes, nicht genug
wissen kann, bestreiten aber, daß es notwendig sei, den Patienten
jedesmal auch in dieses ganze Wissen einzuweihen oder das bereits
von der Analyse erworbene psychologisch-theoretische Wissen in
jedem einzelnen Falle neu entdecken und sich so Überzeugungen
holen zu wollen, die man bereits mitgebracht haben müßte.
Diese Feststellung fordert zu einer Bemerkung über die bis-
herigen Lernmöglichkeiten der Psychoanalyse heraus. Hat es
' doch lange Zeiten hindurch überhaupt keine solchen gegeben. Die
angehenden Analytiker waren ausschließlich darauf angewiesen,
sich ihr Wissen aus Büchern zu holen. Dieses Wissen war also
WARTE t
60 Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
ein theoretisches und dieses theoretische Wissen versuchten sie
dann einfach dem Kranken zu applizieren. Wollten sie darüber
hinausgehen, so blieb ihnen nichts anderes übrig, als den zu
Heilenden, wie es allerdings auch sonst in der Medizin üblich ist,
gleichzeitig als Studienobjekt zu benützen. Infolge der rein theo-
retischen Vorbildung gingen aber auch diese Untersuchungen in
anima vilii mehr ins Theoretische. Aus solchen Erfahrungen
wurde allmählich klar, daß die einzig richtige Vorbildung das eigene
Erleben der Analyse sein muß. Darum haben auch die den Poli-
kliniken angegliederten Ausbildungsstätten zur Regel erhoben,
daß jeder, der sich der Analyse widmen will, vorerst eine eigene
Analyse bei einem erfahrenen Analytiker durchmachen muß. Doch
gleichwie in den Heilanalysen das bloße Vermitteln des schul-
mäßigen Wissens zu den Kinderkrankheiten der Disziplin gehörte,
. so glauben wir, daß die richtige „Lehranalyse“ eine solche ist,
die sich in gar nichts von der therapeutischen unterscheidet. Wie
soll der künftige Analytiker denn sonst überhaupt die richtige
Technik erlernen, wenn er sie nicht genau so erfährt, wie er sie
später anwenden soll! Dazu kommt, daß es ja erst von den Ergeb-
nissen der Analyse abhängt, ob es sich im gegebenen Falle um
eine Lehr- und nicht um eine therapeutische Analyse handelt, das
heißt ob Absicht und Eignung zum Psychoanalytikerberuf der
Analyse standhalten.
Angesichts mancher hrunsen wäre man versucht, sich
zu fragen, ob nicht unsere bisherigen therapeutischen Analysen
vielfach zu sehr „Lehranalysen“ waren, während die sogenannte
Lehranalyse weniger die Analyse als die Lehre vermittelte, die
erst nachher, getrennt davon, zu erwerben gewesen wäre.
Unseren Standpunkt in dieser Frage könnten wir also etwa
dahin formulieren, daß das Zuvielwissen des Patienten
durch ein Mehrwissen des Analytikers ersetzt
werden sollte. Statt das eigene theoretische Wissen, das dem
' Analytiker zum Assoziationsmaterial des Patienten „einfällt“, also
statt gleichsam die eigene, parallel laufende Assoziationsreihe laut
werden zu lassen, verarbeite der Analytiker das ganze Material
N 2 TAALRUET I 0. ER
HIRTEN (4
Entwicklungswege der Psychoanalyse | | 61
in sich und teile nur das mit, was der Patient zum analytischen
Erlebnis wie zum Verständnis desselben unbedingt braucht.
Durch diese Verschiebung des Akzentes auf das Wissen und
Handeln des Arztes könnte sich das Bild der analytischen
Behandlung, wenigstens äußerlich, in gewissem Sinne den nicht-
analytischen Psychotherapien, ja überhaupt den in der Medizin
üblichen Behandlungsmethoden mit der Zeit immer mehr
angleichen. Der ungeheure Unterschied läge allerdings darin, daß
der Analytiker auf Grund der richtigen Verknüpfung seines
"Wissens mit den vom Patienten gelieferten individuellen Daten
genau den Zeitpunkt, die Art und Dosierung seines Eingreifens
bestimmen kann, während dies bei allen anderen psychothera-
peutischen Methoden entweder auf dem Wege plumper Gewalt
oder mit Hilfe einer unkontrollierbaren „künstlerischen“ Intuition
erfolgt.
In der Hypnose z.B. erzielte der Arzt meist nur vorüber-
gehende und nicht radikale Wirkungen, weil ihre Verwendung
alle wirksamen psychischen Motive verdeckte; darum wurde sie
auch von Freud ausgeschaltet und die Methode der freien
Assoziation benützt, die uns erst die Einsicht in das psychische
Kräftespiel vermittelte. Allerdings muß man mit Freud gestehen,
daß die Hypnose ihre unleugbaren Erfolge eben der glatten Aus-
schaltung der intellektuellen (ethischen, ästhetischen usw.) Wider-
stände verdankt. Gelänge es beispielsweise, diesen unschätzbaren
Vorteil der hypnotischen Technik mit dem Vorteil der analytischen
Lösungsmöglichkeit der hypnotischen Affektsituation zu ver-
knüpfen, so wäre ein ungeheurer Fortschritt unseres therapeu-
tischen Könnens erreicht.
Diesbezüglich hat uns die Psychoanalyse bereits soweit aufge-
klärt, daß sie uns als Kern des hypnotischen Affektverhältnisses die
Ödipussituation verstehen lehrte. Aber das tiefste Verständnis für das
Spezifische am hypnotischen Zustand ist sie uns bis Jetzt eigentlich
noch schuldig geblieben. Wird es erst gelungen sein, auch das Wesen
der hypnotischen Bindung an den Arzt, die uns durch die Erkenntnis
vom Wesen der Übertragung doch nicht voll verständlich geworden
1 A
a nr ee re Due
ARE E£ 3
{
u a en
ae Er ®
[7
Er
ne EB, Br
Ya A
Ir} ’
ne eh u Te
n - ee u Pos ee ee
- FE urn u ” .-
a .- ng Er 4 Par.
A -‘ >
‘
’ “
62 Dr. S. Ferenczi und Dr. Otto Rank
ist, ganz zu erfassen, so könnte es dazu kommen, daß der
Analytiker befähigt würde, die Hypnose wieder in den Dienst
seiner Technik zu stellen, ohne befürchten zu müssen, daß er die
affektive Nabelschnur, die den Patienten an ihn bindet, schließlich
nicht auch werde lösen können. Diese Möglichkeit einer
Wiedereinsetzung der Hypnose oder anderer Suggestivmittel
in die analytische Therapie wäre vielleicht dann der Schlußstein
jener Entwicklung, zu der die Vereinfachung der analytischen
Technik nach unserer Auffassung tendiert und tendieren soll.
Schließlich zielt ja auch die Psychoanalyse darauf hin, in ihrer
Technik die intellektuellen Prozesse durch affektive Erlebnis-
momente zu ersetzen; bekanntlich ist dies aber in der Hypnose
in extremer Weise erreicht, indem hier das Bewußtsein je nach
Bedarf ein- oder ausgeschaltet werden kann.
Ein Ausschalten, besonders der intellektuellen Widerstände,
wird aber auch immer mehr erfordert, seitdem die Psychoanalyse
begonnen hat, in das Bewußtsein breiterer Schichten einzudringen,
die dann dieses Wissen als Mittel des Widerstandes bereits in die
Kur mitbringen. Diese Tatsache war nicht das unwesentlichste
unter den Motiven, die uns unwillkürlich zu Änderungen
unserer Technik nötigten und auch weiterhin zu immer neuen
Anpassungen unserer Technik an die fortschreitende Aufklärung
der Gesellschaft über Verursachung und Wesen der Neurosen
drängen muß; nach der Prophezeiung Freuds soll ja die Ver-
breitung psychoanalytischer Kenntnisse die bisherigen Neurosen-
formen mit der Zeit automatisch zum Schwinden bringen.
Wir sehen hier wieder zweierlei Wissen am Werke, eines,
das die Therapie unterstützt, ja die Neurosen prophylaktisch
verhindern kann (analytische Kindererziehung) und eines, das
sich in der Kur als Hindernis etabliert. Diese letzte Schwierigkeit
wird aber durch die Tatsache paralysiert, daß — bis auf weiteres
wenigstens — der Analytiker dem Wissen der Allgemeinheit doch
immer um ein gutes Stück voraus und überlegen ist.
So tendiert die ganze Entwicklung in der nächsten Zukunft,
wie wir meinen, zu einer wesentlichen Vereinfachung der psycho-
Tom SE ao a a A a ER
: UV RL Au oh rad DH A 1,
Entwicklungswege der Psychoanalyse 63
analytischen Technik. Möglich, daß dadurch der Anschein einer
gewissen Monotonie und Formelhaftigkeit verstärkt wird; aber der
richtige Praktiker war schließlich immer auch Handwerker und soll
es vielleicht im wesentlichen sein. Die Anwendung solcher Schemata,
welche ja hier nichts anderes als den Niederschlag schwer erwor-
benen Wissens darstellen, auf das individuelle Material bleibt
immer das Wesentliche in der Psychoanalyse, womit sowohl der
Betätigung besonderer Begabung als auch der weiteren Forschung
genügend Spielraum gelassen ist. Die Reduzierung der Methode auf
einfachere Tatbestände, — was ja unser fortschreitendes Wissen
auch fördern soll — hätte mit der Zeit jedenfalls die praktisch nicht
zu unterschätzende Folge, daß einesteils die Erwerbung des
psychoanalytischen Wissens seitens der Ärzte im allgemeinen
(also nicht nur der Psychotherapeuten) viel leichter würde, andern-
teils die Behandlungsart und -dauer eine wesentliche Vereinfachung
erführe. |
Bei diesem Stande des praktischen Könnens brauchte dann
die für die Schöpfung und Ausgestaltung der Psychoanalyse
unentbehrlich gewesene splendid isolation nicht mehr so
streng aufrecht erhalten zu werden; ja wir würden uns nicht
wundern, wenn es schließlich dazu käme, daß auch andere psycho-
therapeutische Methoden, die sich im Sinne eines analytischen
Verständnisses als wirksam erwiesen haben (wie wir am Beispiel
der Hypnose zu zeigen versuchten), legalerweise mit der Psycho-
analyse verknüpft würden. Freud selbst hat ja eine solche
zukünftige Möglichkeit für die Massenanwendung der psycho-
analytischen Therapie im Auge gehabt, wenn er es als sehr
wahrscheinlich hinstellte, daß „das reine Gold der Analyse reichlich
mit dem Kupfer der direkten Suggestion zu legieren sei und auch
die hypnotische Beeinflussung wieder eine Stelle finden könnte“.'
Allerdings wird dann auch das in das ärztliche Denken ein-
gedrungene psychoanalytische Wissen, also eine Art geschärfter
Menschenkenntnis, dafür sorgen, daß alle Eingriffe nach genauer
! Wege der psychoanalytischen Therapie. 1918.
64 Dr. S. Ferenczi und Dr. Otto Rank
Abwägung auch der wirksamen psychischen Faktoren weit
zweckmäßiger und daher wirkungsvoller erfolgen werden. Haben
doch schon heute einsichtige Internisten, Gynäkologen und
Chirurgen sich psychoanalytischer Kunstgriffe zu bemächtigen
versucht und damit, soweit sie richtig griffen, unleugbar gewisse
in inren Fachkreisen überraschende Erfolge zu erzielen vermocht.
Für uns sind diese Erfolge allerdings nicht überraschend, erwarten
wir doch von einer zielbewußten analytischen Schulung
aller Ärzte eine wesentliche Förderung der ganzen Medizin. Es
ist sogar zu erwarten, daß das psychoanalytische Wissen, das heißt
das Wissen um den Menschen, zu einem Knotenpunkte des
gesamten medizinischen ‘Wissens werden und eine Vereinheit-
lichung dieser durch das Überhandnehmen des Spezialisten-
tums so sehr zerklüfteten Disziplin zustande bringen wird. Der
alte Hausarzt, der Freund und Berater der Familie, würde so seine
frühere bedeutende Rolle in einem wesentlich vertieften Sinne
wieder erhalten. Er wäre der verständnisvolle Beobachter und
intime Kenner der ganzen Persönlichkeit und würde den Ent-
wicklungsgang des Menschenkindes von der Geburt über die
Erziehung, die Schwierigkeiten der Pubertätsentwicklung und.
Berufswahl, die Eheschließung, mehr oder weniger schwere
psychische Konflikte, organische und Gemütskrankheiten in
zweckmäßiger Weise beeinflussen können. Seine Beraterrolle
würde sich eben nicht nur auf das Körperliche beschränken,
sondern die fast noch viel wichtigeren psychischen Momente,
sowie die gegenseitige Beeinflußung des Physischen und des
Psychischen, sachgemäß berücksichtigen können.
Von der Familie aus würde dieser Seelenarzt natürlicher-
weise einen noch ungeahnten Einfluß auf die Gesellschaft, ihre
Sitten und Zustände, ausüben, so indirekt auf die Verbesserung
der Erziehung hinwirken und damit wieder zur Prophylaxe der
Neurosen auch auf diesem Wege beitragen. Die Vereinigung bisher
so heterogen erschienenen Wissens in der Person des Arztes
würde möglicherweise auch zur Vereinheitlichung der Wissenschaft
überhaupt beitragen, die bisher allzu streng in die Disziplinen
Be A ER LER a za En ans 3 Al et
{ RT / . | te N a . \ nr
Entwicklungswege der Psychoanalyse 65
der Natur- und Geisteswissenschaften geschieden war. Schon
jetzt können wir davon sprechen, daß das Eindringen psycho-
analytischen Wissens beispielsweise die Biologie wesentlich
gefördert hat, indem sie die Grundlage zu einer ganz neuen
Trieblehre schuf, die ihrerseits der Entwicklungslehre neue Wege
weisen dürfte. Die Rückanwendung der Psychoanalyse, zum Beispiel
auf die modernen Richtungen der physiologischen Chemie (innere
Sekretion usw.) ist noch kaum abzusehen; auch die Analyse der
Neurosen stößt ja zuguterletzt auf den Sexualchemismus, dessen
Bedeutung Freud in seinen „Drei Abhandlungen zur Sexual-
theorie“ (1905) bereits prinzipiell gewürdigt hat. Auch die vordem
nur einseitig berücksichtigte toxische Ätiologie der Psychosen
könnte im Zusammenhang mit der Psychoanalyse dieser Krankheits-
erscheinungen noch zu therapeutischen Überraschungen führen.
Neben dem psychdanalytischen Wissen als einem zukünftigen
Gemeingut aller Ärzte, welches ihnen ebenso unentbehrlich sein
wird wie z. B. unser heutiges Wissen um Anatomie und Physio-
logie, wird es aber natürlich doch auch speziell geschulte
Therapeuten geben, welche — wie bereits heute vielfach — nicht
unbedingt Ärzte sein müssen, da ja auch Erziehung ebenso wie
Seelsorge eigentlich psychotherapeutische, bezw. prophylaktische
Aufgaben darstellen. Damit erledigt sich auch die von gewissen
Spezialisten etwas aufgebauschte Frage, ob auch „Laien“, das soll
heißen Nichtärzte, überhaupt analysieren sollen. Heute steht die
Sache eigentlich so, daß die Ärzte, befangen in ihrer einseitig natur-
wissenschaftlichen Schulung, in psychologischen Dingen eigentlich
Laien sind." Ja, man kann ruhig sagen, daß ihre rein physiologische
Denkweise das Verständnis für das Psychische gewissermaßen
einschränkt. Andererseits ist die Psychoanalyse in ihrer Grund-
konzeption auf wenige allgemein menschliche Voraussetzungen
aufgebaut, so daß zu ihrem Verständnis und ihrer Handhabung
1 Erst in allerletzter Zeit hat man sich besonnen, die Einführung eines
psychologischen Unterrichtes in das medizinische Studium überhaupt zu
fordern.
* y » je II wu TW.
BREITER RALHEENN
66 | Dr. S. Ferenezi und Dr. Otto Rank
— außer der gründlichen analytischen Schulung —eine gründliche
Allgemeinbildung genügt und die Beherrschung der medizinischen
Disziplinen nicht unbedingt erforderlich ist, wie dies auch aus
Freuds diesbezüglichen Ausführungen folgt.' So kam es, daß
die Bedeutung der Psychoanalyse bisher viel mehr von Nicht-
ärzten als von den Ärzten erkannt und gewürdigt wurde,
ja, daß erst kürzlich ein jüngerer Vertreter der modernen
Psychiatrie seinen Kollegen in Öffentlicher Kongreßversammlung
den Vorwurf machen konnte, daß ihnen, die eigentlich dazu
berufen gewesen wären, die Führung in der psychoanalytischen
Frage entglitten sei.” Die nächste Zukunft dürfte dem allerdings ab-
helfen und es hat bereits den Anschein, als ob sich in einzelnen
Ländern die offizielle Medizin eines Besseren zu besinnen begänne,
so daß bei dem zu erwartenden Eindringen der Psychoanalyse in
das Allgemeinwissen der Menschen überhaupt derlei Grenzstreitig-
keiten mit den Fachwissenschaftlern gänzlich verschwinden werden.
Was Freud bereits in den „Zukünftigen Chancen der psycho-
analytischen Therapie“ (Kongreßvortrag 1910) voraussehen konnte,
daß nämlich unsere therapeutischen Erfolge viel größer sein
werden, wenn uns erst einmal die den Fachärzten allgemein
zugestandene Autorität zugesprochen sein wird, ist der Verwirk-
lichung seitdem einigermaßen näher gerückt; aber seine volle
Wirksamkeit wird dieser keineswegs zu unterschätzende soziale
Faktor erst entfalten können, wenn die intellektuellen und
sonstigen Widerstände — vielleicht auch unter Mitwirkung der
diesem Gesichtspunkt bereits Rechnung tragenden Änderungen
der Technik — in sich zusammengefallen sein werden.
1 Über Psychoanalyse, 1910. „Den Arzt, der durch sein Studium so
vieles kennen gelernt hat, was dem Laien verschlossen ist, läßt vor den
Details der hysterischen Phänomene all sein Wissen im Stiche.“ — „Er kann die
Hysterie nicht verstehen, er steht ihr selbst wie ein Laie gegenüber“. (S. 4.)
Darum sagt denn Freud auch, daß es uns nur soweit, d. h. bis zur Diagnose,
Vorteil gebracht hat, mit den Ärzten zu gehen, wir uns aber dann bald von
ihnen trennen können (ibid S. 3).
2 Siehe Prinzhorns Autoreferat in Intern. Zeitschrift f. PsA. VII.
1922. S. 386.
zu ent [are Bern AT TE Fa TH BIT een Tr we ur ee FUFF ru rd 5 a ee T
ee IN TE SET ÄNRT Ma NRTLEDE NR ee a ERTT | la
N \ pr oA Le (ie di + N FYTo
f " E { 1 vr ara ' A N ae
- vyaA
wi.
_
E-
Entwicklungswege der Psychoanalyse 67
Wenn wir im Vorstehenden versuchten, über den uns heute
unmittelbar gegebenen Tatbestand hinaus Ausblicke in die Zukunft
der Psychoanalyse zu wagen, so scheint uns dies mehr als ein
müßiges Spiel der Phantasie zu sein. Ja, wenn wir diesen Ideen-
gang konsequent zu Ende führen, so gelangen wir zu einem
Punkt, an welchem unsere Auffassung insofern gerechtfertigt
erscheint, als sie sich in eine große, wenn auch nicht geradlinige
Entwicklung organisch einfügt. Besteht doch der wesentlichste
Fortschritt der Psychoanalyse letzten Endes in einer ungeheuren
Erweiterung des Bewußtseins, bezw. im Sinne unserer Meta-
psychologie ausgedrückt, in einem Emporheben triebhaft-unbe-
wußter Seeleninhalte auf das Niveau des vorbewußten mensch-
lichen Denkens. Das aber bedeutet unserer Ansicht nach einen
so wesentlichen Entwicklungsschub, daß man ihn geradezu als
einen biologischen Fortschritt der Menschheit werten darf, und
zwar als einen, der sich erstmalig sozusagen unter einer Art
Selbstkontrolle vollzieht. e
Unter dem Einfluß eben dieser Bewußtseinserweiterung wird
sich aber auch der Arzt, dessen Beruf sich aus dem eines Medizin-
mannes, Zauberers, Charlatans, Heilkünstlers entwickelt hat, und
der in seinen besten Vertretern immer noch ein Stück Künstler
geblieben ist, mehr und mehr zum Kenner nunmehr auch der
seelischen Mechanismen entwickeln, und in diesem Sinne dann
auch der Ausspruch zur Wahrheit werden, daß die Medizin die
älteste Kunst und die jüngste Wissenschaft sei.
RN 9
kalhe A
ne N. ; Einleitung . u
. Die Kaltrkihhe, Situation
ie I Der Libidoablaufprozeß und seine Phasen... . .
2 ‚Die a der st erh im Erlebnismoment
1, \
» [3 ” . .
ur u 6 ED
we
rege
zz
Ir ud
2 az
a
vor £
%
a
e logie. (Imago-Büc her m 4 Tausend, ARE.
| Wien, Zürich 1922 - Se
Wohl eines der. Iinkeressanteaät Probleme, denen die Psychö-
analyse sich zugewandt hat. (Frankfurter Zeitung)
Das Werk Ranks behandelt in lichtvoller Darstellung ent-
scheidende Fragen. Der Weg ist kühn — aber kein Marsch
auf der Straße. ; (Die Zeit)
Viele sehr verdienstvolle,- wenn auch harte und beinahe rück-
sichtslose Meinungen. Es gehört eine große Freiheit des
Geistes und eine sehr schätzbare "Unbefangenheit dazu.
Übrigens hat Otto Rank auf dem Wege zur Seelenschau des
Künstlers eine ganze Menge psychologischer Faktoren auf
> 1: ihren sexuellen Gehalt hin geprüft und mit schöner Prägnanz
demonstriert. (Münchner Allgemeine Zeitung)
Fe Höchst interessant, wie die Vertiefung der Freud’schen Lehre
: auf Teile uralter religionspsychologischer Grundmauern stößt.
Das Studium dieser geistreichen Schrift kann sehr empfohlen
werden.
As dimly glimpsed by Nietzsche, Hinton and other earlier
thinkers, — the main explanation of the dynamie process
a, by which the arts, in the widest sense, have come into beeing,
especially of Dr. Rank, perhaps the most brilliant and
_ elairfoyant of the younger investigators who still stand by
the master’ s side. (HavelockEllis in „The dance of thelife“)
N Kar
Da Mythus von der Geburt des Helden.
| > Versuch einer psychologischen Mythendeutung.
LER - (Schriften zur angewandten Seelenkunde.
‚Nr. 5.) Zweite Auflage, Leipzig u. Wien. 1922
The Myth cf the Birth of the Hero. (Nerv. and
Ment. Disease Monogr. Series) New-York 1914
"Il mito della nascita degli Eroi. (Biblioteca
ar Psicoanalitica Italiana. Nr. 4.) Zurigo, Napoli,
| _ Vienna, Nocera Inferiore 1921
Die "Verbindung mit dem Sozialen und dem Individuellen ist
Rank vollkommen gelungen. (Berliner Tageblatt)
Es ist ein in seiner Tragweite kaum zu umfassender Gedanke:
h die ganze Geschichte ein ungeheurer Spiegel. Das Buch von
" Rank wirkt nicht nur belehrend.und anregend, sondern auch
T befreiend. (Die Zeit)
Psychoanalytische Beiträge zur Mythen-
forschung. (Internat. Sa Bibliothek.
Nr. 4.) 2. Aufl., Leipzig, Wien, Zürich 1922
,
Inhalt: Vorw»rt / Myth-logie u. Psychoanalyse / Die Sym-
| bolik /Völkerpsychol:gische Parallelen zu den infantilen Sexual-
theorien + Zur Deutung der Sintflutsage 7 Männeken-Piß und
Dukaten-Scheißer + Das Brüdermärchen / Mythus u. Märchen.
Daß Rank es verstanden hat, sein Thema klar, übersichtlich
rund fesselnd zu gestalten, ist für den Kenner seiner Arbeiten
r keine Überraschung. (Zeitsch. f. Sexualwissenschaft)
“Fitische Leser werden viel Anregung und interessantes Ma-
| Libro... de una presentacion elegante es una de las magni-
ficas eontribuciones a la interpretaciön psicoanalitica de
mitos y legendas.
L.
Zu beziehen
5 zig #0 2
An ter PERS o- | Diele ‚ohe: sngrinsage. E
(Zeitschrift für Religionspsychologie)
is now chiefly being explored. One thinks of Freud and:
terial in diesen Aufsätzen finden. (Literarisches Echo)
(Revista di Psiquiatria, Lima)
Internationaler Psychoanalytischer Verlag „
S Kebeit gen ran: angew.
Seelenkunde. Nr. 13.) Aa ie Be a.
Der Verfasser, einer der scharfsinnigsten ‚Schüler DR an; er
folgt die psychisch bedingten Umbildungen des Stoffes, indem
er sich auf ein ungeheures Material stützt von der altfranzö- 2 =
sischen Sage vom Chevalier au eygne an bis kere Musik- N <
drama.Besonders interessant ist die Verbig
Der Verfasser darf mit Recht be
einer Psychologie des dichterische
haben. (
Völkerpsychologisch wie biologisch <a
ahnte Perspektive eröffnet (Münchn.Med. Wo chenschr.) pe
Einen Teil der menen, Urhaftes belichtenden Seelenlehre, die “ F
wagniskräftig über die schwanken Mauern der Träume steigt,
in die fahlen Gärten körperlicher Wallungen zwischen Kinder
und Eltern tritt, — einen Teil dieser neuen Lehre erhärtet Rank
in 24 Kapiteln... Es geht den Wissenschaftler an, wie den
gliedernden (und Serzliederten) Dichter. (Alfred Kerrim Pan)
Von Seite zu Seite flößt.die Rank’sche Gedankenarbeit dem |
Leser wachsende Achtung vor der strömenden Fülle stets
kampfbereiter ethnologischer und literarischer Kenntnisse |
unter wahrhaft erstaunlicher Belesenheit ihres Schöpfers ... |
Das Werk hat berechtigte Aussicht die kunsttheoretische
Bibel der Freudianer zu werden. (Literar. Zentralblatt)
Das Buch muß als die erste große Leistung einer neuen.
Literaturbetrachtung begrüßt werden. (Die Zeit)
Eines der bedeutensten Werke in der psychoanalytischten Be).
Literatur, (Zeitschrift f. angewandte Psychologie) I
Das Trauma der Geburt und seine Be- iR
deutung für die Psychoanalyse. (Intern. |
Ps Analyt. Bibl.Bd. 14.) Leipz., Wien, Zürich 1924
Mit Dr. Hanns Sachs
Die Bedeutung der Psychoanalyse für die
Geisteswissenschaften. Wiesbaden 1913
The significance of Psycho-Analysis for
the Mental Sciences. (Nervous and Mental
Disease Monograph Series)- New-York 1916
The book forms an invaluable introduction...It_is to be
hoped that a careful perusal of the book Br a wide circle
of such readers on both sides of the Atlantic er help to
bring about a collaboration.
: (The Internat. Journ. of Psychoanalysis)
Mit Dr. S. Ferenczi
Entwicklungsziele der Psychoanalyse. Zur |
Wechselbeziehung von Theorie und Praxis: |
(Neue Arbeiten. zur ärztlichen Psychoanalyse.
Heft 1) Leipzig, Wien, Zürich 1924 ga
Wien, Yo:
ndreasgasse 3 |
DER w
#
e Yeia =
BR
Im DeozeimBer‘ 703 Fi ersch
Neue Arbeiten zur ärztlichen Psychoanalyse, Hop Re ”
Dr. Karl Abraham u |
Versuch einer Re
Entwicklungstheorie der Libic 10°
auf Grund der Psychoanalyse seelischer Störungen
* ve en
Internationale Psychoanalytische Bibliothek, Bd. xIr..
Dr. Otto Rank e
ER} ‚
-
Ba. XV_
Dr. S. Ferenczi
_ Versuch einer Genitaltheorie 2
Vera Schmidt
Psychoanalytische Erziehung = Ei
N , ER Ex
in SowjetrußBland
e ne rn. =
Bericht über das Moskauer Kinderheim-Sanatorium Be:
Prof. Dr. Sin Freu
Zur Geschichte PR
der psychoanalytischen Bewegung
(Erstmalige selbständige Veröffentlichung der Arbeit aus der „Vierten Folge“ Br „Saı lung k 5 a
Schriften zur Neurosenlehre“) sr!
- -. a : K 5
7 * - n . * u ya ee -
._. -
nd a a
- - *
ze
= ” 67
” Li L
4
+. N 3 a x
Ze Pe ” ‘
ee R ER B-
[2 x - =- “ r 4 ß
Bu 7 „ade l N . u Das - ” ‘
| A -
Ka zer Ne.
e = ud £ Li wur
a
r 2
: (
. i rer {
IR ge AN a
: ’ | $
; 4 EF F
. nn “: eG N
“ * u = a f ei > in
“ e * =; ! je @
Ei, ee e 5
> wo . i
+ s er
" . En ul 7 Fun
e =
= „f f ‚= .
”* a
. . a
2
4‘ er “
« z er
’
.. Ie
“ Pr 5
ET
r te
—_ m eu L
un
Wi ie ac
| Kr:
P an
UN -
. > j
“ 2 » “ | »
rau E TER:
BEN R
> a u
e k 27 4
- . “ Pe. ’ 1}
x f Pe. a
- F Br; he » 4 nu
. =, fi
- u t En 'y 2
L fi ” «
_ 1 «
2 L 2 . - .
.; y » “ 2 ö Een
E72 + ri . - = 2 + » Ba? >
€ “ j ei ,
re
De
&
e R f ä > m L . 7 h Rx ee Ren 4 “ ı» Es
de “m - e ä dr is Pad we Fre u .
2 a "EL D F a 2 vn er,
en TE BOTEER
DS: Fersaci sr Otto Rank &
ENTWICKLUNGSZIEIE
DER PSYCHOANALYSE
%
5
.
ya
2. re
_
r.
u
nd
#
or,